Rezension zu „Göttlich verloren“ von Josephine Angelini

Kategorie: Up(to)date | 3 Nestgeflüster

 

Uuups! Für alle die ”Göttlich verdammt” nicht kennen, wird diese Rezension Spoiler enthalten!!

 

 

Göttlich verloren_Angelini

Göttlich verloren

Autorin: Josephine Angelini

Seiten: 576 (gebundene Ausgabe)

Sprache: Deutsch

Übersetzung: Simone Wiemken

ISBN: 978-3570305133

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 17 Jahre

 

 

 

Die Autorin…

Josephine Angelini hat an der Tisch School of the Arts in New York Angewandte Theaterwissenschaft, mit dem Schwerpunkt >Antike tragische Helden< und >Grieschiche Mythologie< studiert. Doch zuvor wurde sie als jüngstes von acht Kindern in Massachusetts/USA geboren. Heute lebt sie mit ihrem Ehemann, einem Drehbuchautor, und den drei Katzen in Los Angeles.

Eckdaten der Göttlich-Trilogie:
Mit “Göttlich verdammt” (OT: „Starcrossed“) veröffentlichte Josephine Angelini im Jahr 2011 ihr Debüt beim Cecilie Dressler Verlag. Die Geschichte um Halbgöttin Helen und ihrem Lukas schlug bei den YA-Lesern ein wie ein Bombe. Der zweite Teil der Trilogie trägt den Titel “Göttlich verloren” (OT: „Dreamless“) und ist im Mai erschienen. Das Finale wird den den Buchtitel „Göttlich verliebt“ (OT: „Ilium“?) tragen und erscheint im Mai 2013.

 

 

 

Der Plot …

In Helens Leben ist nichts mehr wie es einmal war. Längst vergessen sind die Zeiten, in denen sie ein Dasein als normale Sterbliche genossen hat. Nun, normal war Helen nie. Das Gefühl allein unterschied sie stets von ihren Altersgenossen. Doch seit die Familie Delos – und vor allem Lukas – in ihr Leben traten, geht es in Helens Leben drunter und drüber. Ihr Schicksal als Halbgöttin hat Helen längst angenommen. Aber zu akzeptieren, dass ihre Liebe zu Lukas niemals sein darf, bringt sie an den Rand der Verzweiflung. Ganz leer fühlt sie sich. Tropfen auf dem heißen Stein ist da noch ihr nächtlicher Gang in die Unterwelt, denn nur sie darf als Deszender die Pforten betreten. Die Suche nach den drei Furien gestaltet sich in der Unterwelt als mühsam und äußerst kräftezerrend für Helen. Nur wenn sie die drei Schwestern aufhält, gibt es Hoffnung für die vier Scion Häuser der Blutrache nicht vollends zum Opfer zu fallen. Gelingt ihr dies nicht, können die Götter befreit werden und mühelos vom Olymp in unsere Welt hinabsteigen. Eine Apokalypse göttlichen Ausmaßes könnte so über alle hereinbrechen. Eines Nachts begegnet Helen überraschend einem junger Halbgott in der Unterwelt. Sein Name ist Orion. Verbannt von seinen eigenen Häusern Rom und Athens, eilt er im Auftrag von Helens Mutter zur Hilfe. Doch kann Helen mit Hilfe von Orion, den Delos und ihren zwei besten Freunden wirklich einen Jahrtausend währenden Fluch stoppen? Der Feind schläft nicht. Die Zeit läuft gegen Helen. Kann ein neuer Trojanischer Krieg noch verhindert werden?

 

 „…Denn du wirst ruhen auf den Schwingen der Nacht, weißer als frischer Schnee auf eines Raben Rücken…“
~ S. 326, Göttlich verloren

 

 

Die Charaktere…

Helen
Während ich im Trilogie-Auftakt noch sehr schnell mit Helen warm wurde, hatte ich beim Lesen des zweiten Bandes oftmals das Gefühl, den Bezug zu ihr verloren zu haben. Lag es daran, dass sie immer mehr von sich selbst in der Unterwelt ließ? Möglich wäre es. Die Bürde, die Helen durch den Abstieg in den „Hades“ auferlegt wird, ist jedenfalls enorm groß. Der Druck, die Verantwortung kann selbst eine Halbgöttin zum wanken bringen.

Lukas
Im ersten Band war Lukas der unwiderstehliche starke Halbgott, der Helens Beschützer und Helfer wird. Dieses Bild von ihm verliert in „Göttlich verloren“ an Farbe. Es wird sowohl von Helen als auch von Lukas erwartet, dass sie ihren romantischen Gefühlen füreinander trotzen. Es wurde ihm sehr viel weniger Raum in der Geschichte gegeben, was ich leider nicht ganz nachvollziehen konnte. Von Kummer zerfressen drischt er auf seine Lieben ein. Sein wunderbares Gesicht verlor bei mir leider an Kontur.

Orion
Zu Beginn war ich zugegeben genervt, dass er Teil einer Dreiecksgeschichte werden soll. Doch Orion entpuppt sich nicht nur durch seine tragische Vergangenheit als unglaublich interessant und anziehend. Natürlich sieht er fantastisch aus, aber seine Fähigkeiten und sein Charakter haben mich am meisten fasziniert. Facettenreich, geheimnisvoll. Dieser Halbgott war meine größte Motivation beim Lesen.

 

 

 

 

Meiner Ansicht nach…

Zunächst gilt es einmal zu sagen, dass „Göttlich verloren“ mein am meist ersehntes Buch in diesem Jahr war. Der Auftakt „Göttlich verdammt“ hatte mich im letzen Jahr in wahre Entzückung versetzt. Die Autorin Josephine Angelini hatte sich mit der Idee um Helen und Lukas an der griechischen Mythologie bedient. Sie war eine der ersten, die den Hype um diese Geschichtsfiguren neu aufbranden lies. Wunderschöne halbgöttliche Protagonisten treffen in der heutigen Zeit aufeinander und möchten sich aus unerfindlichen Gründen zerfleischen. Doch plötzlich kommt Amor mit seinem Liebespfeil und die Geschichte erlebt eine fantastische Wende. Himmlisch, göttlich. Ich war verliebt.

Wie waren also meine Erwartungen in die Fortsetzung der Trilogie? Natürlich kristallisierte sich am Ende des ersten Bandes heraus, dass Helen durch die Hölle gehen muss…wahrhaftig. Also, muss es natürlich düsterer werden. Auch die Beziehung zwischen Helen und Lukas ist durch die vermeintliche Blutverwandtschaft unmöglich. Herzschmerz und viele Wirrungen sind vorprogrammiert. Und das bekommt der Leser definitiv geboten. Wobei Helens Verwirrung manchmal eher der Sprunghaftigkeit glich.

Fühlte ich beim Aufschlagen des Buches noch schönste Vorfreude, war ich nach den ersten 50 Seiten etwas verwirrt. Nach weiteren 100 Seiten langsam frustriert und gänzlich verwirrt. Der Zustand hielt bis weit über die 200 Seiten hinaus an. Ernüchterung und Enttäuschung machten sich breit. So suchte ich weit über die Buchhälfte hinaus nach dem göttlichen Erzählstil der Autorin. Bisweilen kam es mir so vor, als ob Angelini einem jungen, kichernden Mädchen den Stift mit den Worten, „dann schreib mal was.“, in die Hand gedrückt hatte. Das dieses Buch einer Trilogie aus dem Jugendbuch Genre angehört, war mir natürlich bewusst. Aber wieso musste Josephine Angelini ihren wunderbaren Erzählstil ändern? Helen und Lukas‘ Erlebnisse werden, wie auch im Erstlingswerk, aus der Vogelperspektive geschildert. Doch während ich mich im ersten Band den Protagonisten nahe fühlte, vermisste ich diese schöne Bindung im zweiten Buch oft sehr. Dazu empfand ich den plötzlichen Perspektivenwechsel innerhalb der Kapitel als verwirrend. Ich fühlte mich etwas ‚verloren‘.

Die sehr ausführlichen Beschreibungen verschiedener (Halb)Götter und deren Verstrickungen in vergangene Intrigen verwirrten mich oftmals. Da es am Ende des Buches ein wirklich schönes Register zu den Figuren und erwähnten Göttern gibt, hätten hier meiner Meinung nach kürzere Schilderungen im Text bzw. der Hinweis auf das Register völlig genügt.

War nun „Göttlich verloren“ eine gänzliche Enttäuschung für mich? Die Kritikpunkte sind sicherlich sehr präsent, aber ich habe dem Folgeband auch ein paar gute Punkte geben können. So empfand ich den Abstieg Helens in die Unterwelt jedes Mal als äußerst unterhaltsam. Und auch das die Autorin ihre Protagonistin im Bett voll Schlamm und mit diversen Blessuren aufwachen ließ, verlieh Helens Bestimmung als Deszender und ihrem nächtlichen Höllengang die nötige Dramatik. Vor allem auf Orion freute ich mich zunehmend mehr. So macht er Helen ihre Aufenthalte in der Unterwelt durch seine Anwesenheit nicht nur erträglich, sondern bringt ihr gebrochenes Herz wieder schneller zum schlagen. Orion war eine große Überraschung für mich und Lichtblick in der Fortsetzung.

 

 

 

Spieglein Spieglein…

Bei der Gestaltung des Covers haben sich die Grafiker wieder sehr viel Mühe gegeben. Ganz wunderbar sind die Farben. Nimmt man die Schutzhülle ab, erwartet den Leser ein wunderbar passender Festeinband. Es harmoniert insgesamt sehr mit dem Auftakt und ist im Bücherregal ein Hingucker. Dank der Aufmachung gibt es für „Göttlich verloren“ in der gesamten Punktebewertung von mir noch eine 3.

 

 

 

 

Tacheles…

Der Zauber um die Göttlich-Trilogie hat mit dem Folgeband leider bei mir etwas nachgelassen. Durch wirre Darstellungen und einem sehr distanzierten Erzählstil, sowie einer teilweise zu blassen Protagonistin bekommt diese Fortsetzung unschöne Risse. Doch zum Dank von geschickten, spannungsgeladenen Plots und einem sehr gelungenen Cliffhanger wurde ich noch gut durch die Geschichte gezogen. Meine Erwartungen auf das Finale schraube ich vorsorglich runter. Verpassen möchte es aber auf keinen Fall.

 

 

 

 

    

 

Danke an  !

 

 

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    3 Nestgeflüster zu “Rezension zu „Göttlich verloren“ von Josephine Angelini”

    1. Steffi am 13. Juni 2012 um 08:45 Uhr

      Unter der Schutzhülle befindet sich ja ein richtiges Schmuckstück.

    2. Sabine am 5. Juni 2012 um 09:07 Uhr

      Oh weh….hört sich ja alles nicht ganz soooo toll an..Trotzdem, ich träum weiter davon, es irgendwann in den Händen zu halten 🙂

      Danke auf jeden Fall für die ehrliche, ausführliche Rezi!

      Liebe Grüße
      Bine

      • Sandy am 5. Juni 2012 um 09:37 Uhr

        Genau. Mach dir selbst ein Bild vom Buch. Es gibt überwiegend nur gute Kritiken. Es ist halt meine persönliche Meinung. Ich wünschte mir auch, sie wäre besser ausgefallen.

        Halte mich auf dem Laufenden, wie es dir letztendlich gefallen hat. 😉

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