Rezension zu „Ein Jahr ohne Juli“ von Liz Kessler

Kategorie: Rezensionen, Up(to)date | 2 Nestgeflüster

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Ein Jahr ohne Juli

Seiten: 336 (gebundene Ausgabe)

Verlag: Fischer Schatzinsel

Sprache: Deutsch

Übersetzer: Eva C. Riekert

ISBN: 978-3596854790

 

 

 

 

Die Autorin…

Liz Kessler träumte davon, Schriftstellerin zu werden, seit sie im Alter von neun Jahren ihr erstes Gedicht veröffentlichte. Nach einigen Jahren als Lehrerin und Journalistin machte sie diesen Traum wahr. Ihre Kinderbücher über das Meermädchen ›Emily‹ und die Feenfreundin ›Philippa‹ wurden zu internationalen Bestsellern. Liz Kessler lebt in Manchester, England.

 

 

Der Plot…

Jenny und Juli sind seelenverwandt. So verschieden sie von ihrem Wesen sind, harmonieren tun sie ganz wunderbar. Sie teilen alle Geheimnisse miteinander, noch so groß und klein. Sie teilen Abenteuer und die Gewissheit, dass sie nichts trennen kann. Auch ihre Familien sind eng miteinander verbunden. Jenny bekommt bald ein weiteres Geschwisterchen. Und bis auf ein paar typische, kleine Reibereien mit den Brüdern und der Diskussion mit den Eltern, wie viel Zeit Jenny und Juli miteinander verbringen dürfen, ist alles wunderbar. Wie jeden Sommer fahren beide Mädchen mit ihren Familien für eine Woche in dieses kleine, verschlafene Feriendomizil. Für ihren ersten Tag haben Jenny und Juli auch schon einen aufregenden Ausflug geplant. Doch etwas läuft gewaltig schief. Jenny, die ohnehin schon zu spät dran ist, steigt in einen alten Fahrstuhl des Apartmenthauses von Juli und ihrer Familie. Als sie dann an die Tür des Apartments 110 klopft, öffnet ihr nicht ihre Freundin Juli sondern eine ältere Frau. Diese erklärt ihr, dass die Familie in einem anderen Apartment untergebracht ist. Jenny wird ganz anders zumute. Sie spürt, etwas komisches geht hier vor. Als sie dann an die Tür des Apartments klopft, öffnet ihr eine vollkommen veränderte Juli die Tür. Wie kann das sein? Jenny hat ihre Freundin doch erst 2 Stunden zuvor gesehen? Kurz nachdem Juli sie hereinlässt, wird Jenny klar, dass nicht nur ihre Freundin verändert ist. Dem Mädchen fällt es wie Schuppen vor den Augen. Sie wurde vom alten Fahrstuhl nicht in den ersten Stock gefahren sondern ein Jahr weiter in die Zukunft. Jenny hat ein Jahr mit Juli verloren. Und in diesem einen Jahr ist etwas furchtbares passiert. Etwas, das in der Freundschaft der beiden Mädchen Risse hinterlassen hat. Kann Jenny noch etwas retten, oder macht sie alles nur noch schlimmer?

 

 »Wenn du in die Zukunft sehen könntest, würdest du es tun?«

 

 

Meiner Ansicht nach…

Wer hat sich nicht schon einmal vorgestellt, wie es wäre, in die Zukunft zu linsen? Wo stehen wir in einem Jahr, oder gar in fünf Jahren? Sind die lieben Menschen, die uns stets begleiten nach wie vor in unserem Leben, oder ist es ganz anders gekommen? Man fürchtet sich unweigerlich vor diesem Gedanken und dennoch ist die Faszination da.

In „Ein Jahr ohne Juli“ erzählt uns die englische Kinder- und Jugendbuchautorin Liz Kessler die Geschichte um die unschuldige, aber sehr tiefe Freundschaft zwischen den 12-jährigen Mädchen Jenny und Juli. Jenny und Juli sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht, aber gerade das macht die beiden so unzertrennlich. Eine Freundschaft so intensiv und voller Vertrauen, wie man sie nur einmal im Leben genießen kann…wenn man Glück hat. „Ein Jahr ohne Juli“ wird aus Sicht Jennys erzählt. Sie beginnt mit einer Autofahrt zum alljährlichen Urlaubsort von Jenny und ihrer Familie. Freuen tut sie sich vor allem auf die Zeit mit Juli, ihrer besten Freundin. Doch nach nur einem Tag kommt es anders als sich das Mädchen jemals hätte vorstellen können. In Eile, damit sie den Ausflug mit Juli nicht verpasst betritt Jenny durch einen Zufall den verkehrten Fahrstuhl und steigt in Folge dessen im verkehrten Jahr wieder aus.

Beginnt hier für die 12-jährige Jenny ein aufregendes, cooles Abenteuer? Nein, von aufregend kann leider keine Rede sein. Und cool ist Jenny auch nicht mehr zumute, kurz nach dem Anklopfen an der Tür zu Julis Ferienapartment. Als ihr eine ältere Dame aufmacht und nicht ihre beste Freundin, oder deren Eltern, gerät Jenny in Panik. Diese Panik wird nicht geschmälert, nachdem sie endlich ihre Freundin gefunden hat. Ganz im Gegenteil. Denn Juli ist verändert, ihre Familie ist verändert. Etwas schreckliches ist passiert. Bereits kurze Zeit später erfährt Jenny die schreckliche Wahrheit. Die Wahrheit ist so grausam, dass Jenny fest entschlossen ist, wieder in den Fahrstuhl zu steigen um alles ungeschehen zu machen. Doch dies scheint nicht zu gelingen. Was immer Jenny tut, scheint alles nur zu verschlimmern.

Bevor ich das Buch aufschlug, hatte ich noch ein ganz anderes Bild wie diese Geschichte sein würde. Unbekümmert, leicht, witzig, naiv und süß. Doch bereits nach wenigen Kapiteln musste ich diese Meinung revidieren. Die Autorin Liz Kessler beschreibt in „Ein Jahr ohne Juli“ wie ein kleiner Moment zunächst unbeachtet bleibt und nicht nur eine tiefe Freundschaft gefährdet, sondern das stabile Fundament zweier Familien zum einstürzen bringen kann. Der Leser geht gemeinsam mit der Protagonistin Jenny auf Wahrheitsfindung, weshalb innerhalb eines Jahres ihre beste Freundin von ihr entfremdet ist. Diese Reise mit Jenny zu gehen ist nicht immer einfach, wenn man ihren Blickwinkel – sprich den Blickwinkel einer 12-jährigen – nicht akzeptiert. Liz Kessler hat hier keinen Charakter geschaffen, der besondere Reife über das Alter hinaus aufzeigt. Jenny ist ein sorgloses Mädchen, dass in einer liebevollen Umgebung aufwächst. Ein Mädchen, dass gerade etwas selbstständiger werden möchte, es aber sicher noch nicht ist. So versuchte ich mich daran zu erinnern, wie ich redete und handelte in diesem Alter. Im Laufe der Geschichte erlebte ich, wie sich anhand der Geschehnisse, Jenny verändert. Es ist keine radikale 180 Grad-Wendung, sondern kommt eher in kleinen Schritten. Diese Entwicklung macht Jenny glaubwürdig und authentisch, denn als 12-jährige hätte ich sicherlich ganz ähnlich erstmal eine Weile nur Panik geschoben.

 

 

Spieglein Spieglein…

Das Cover empfinde ich als wirklich gelungen. Die goldfarbenden Buchstaben des Buchtitels, der fast wolkenlose Himmel und zwei Mädchen schattiert dargestellt. Mir hätte es gefallen, wenn vielleicht noch ein paar dunklere Wolken im Cover integriert worden wären. Diese hätten den ernsteren Hintergrund gut dargestellt. Was bei mir so ein bisschen aufstößt ist allerdings die Namensänderung der Protagonistin Juli. In der Originalausgabe heißt Juli nämlich Autumn. Es hat sicherlich übersetzungsbedingte Gründe, weshalb es zu dieser Änderung kam.

 

 

Tacheles…

Diese Geschichte habe ich nicht nur anhand der kurzen Kapitel so schnell in mich aufgesogen. Der Schreibstil ist jung, naiv, süß und ängstlich und entspricht somit der Protagonistin Jenny. Die Entwicklung der Handlungen haben mich durch deren Intensität und Ernsthaftigkeit sehr berührt. „Ein Jahr ohne Juli“ ist eine wunderbare Überraschung gewesen. Es geht um die Bedeutung von Freundschaft, Liebe und Familie. Dieses Buch ist eine Botschaft daran das Leben und die Menschen darin bewusst(er) zu erleben. Es ruft unmittelbar das Bedürfnis hervor die beste Freundin anzurufen, oder die Mama um nach zu horchen wie es ihnen geht. „Ein Jahr ohne Juli“ ist zweifellos: Für Mädchen, die für ihre beste Freundin alles tun würden!

 

 

   

 

 

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    2 Nestgeflüster zu “Rezension zu „Ein Jahr ohne Juli“ von Liz Kessler”

    1. Jana am 6. August 2012 um 09:58 Uhr

      Wirklich schöne Rezension, das Buch werde ich mir näher anschauen 🙂

      Unten bei Buchtitel steht bei dir „Timeless“, ich glaube, das stimmt nicht so ganz ;

      Liebe Grüße! 🙂

      • Sandy am 6. August 2012 um 10:04 Uhr

        @Jana: Uups, danke dir für den Hinweis. Das habe ich wirklich geistesgegenwärtig übernommen, da ich das Grundgerüst der Buchdetails stets beibehalte.
        Ist schön geändert. 😉

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