Rezension zu „Deine Lippen, so kalt“ von Amy Garvey

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Deine Lippen, so kalt

 

 

 

Die Autorin…

Amy Garvey war in einem früheren Leben Lektorin, nun arbeitet sie auf der anderen Seite des Schreibtischs selbst als Schriftstellerin. Schon als Kind las sie alles, was ihr unter die Finger kam, außerdem sah sie definitiv zu viel fern und wünschte sich immer sehnlichst, Samantha Stephens aus der Serie „Verliebt in eine Hexe“ zu sein (das wünscht sie sich noch heute). “Deine Lippen, so kalt” ist ihr erster Jugendroman, der Auftakt zur >Cold Kiss< Reihe. Amy Garvey lebt mit ihrer Familie in Pennsylvania, USA.

 

 

Der Plot…

Seine Lippen und die Berührung seiner warmen Hände haben Wren immer wollige Schauer geschenkt. Danny war ihr ein und alles. Sie waren unzertrennlich. Doch ein Unfall veränderte alles. Drei Monate später wärmen Dannys Lippen und Berührungen Wren nicht mehr. Seine Umarmungen engen sie nun ein. Seine Haut ist so blass. So furchtbar kalt. Denn der alte Danny starb während des Unfalls. Der Junge, der jetzt vor ihr steht ist tot. Wren tat etwas Furchtbares. Aus großer Sehnsucht, Verzweiflung und unendlicher Trauer überlistete sie mit ihren Kräften und dunkler Magie den Tod, und holte sich somit Dannys Körper zurück. Doch nun befällt sie immer mehr das schlechte Gewissen und ein Gefühl, dass sie weder sich noch Danny damit einen Gefallen getan hat. Er macht ihr sogar zunehmend Angst. Sicher ist, dass er sich nicht ewig in der dunklen Garage einschließen lässt. Zu viele Fragen stellt er neuerdings. Zu oft erinnert er sich an sein Leben vor dem Tod. Als dann noch Gabriel neu an die Schule kommt, zieht sich in Wren alles zusammen. Der Kreis wird immer enger und die Kontrolle ist längst verloren gegangen. Gabriels intensive Blicke beunruhigen sie in vieler Hinsicht. Mit Recht, denn schon bald kommt Gabriel hinter Wrens schauriges Geheimnis.

 

 

 

Meiner Ansicht nach…

Geschichten um geheimnisvolle Mächte und Kräfte faszinieren mich. Dies war auch der Grund, weshalb mich die Beschreibung zum Buch „Deine Lippen, so kalt“ recht schnell ansprach.

Aus Sicht der 17-jährigen Protagonistin Wren schildert die Autorin Amy Garvey dem Leser, die Geschichte um ein Mädchen, welches ihren Freund verloren hat und anhand ihrer übersinnlichen Fähigkeiten diesen von den Toten auferstehen lässt. Der Junge, der jedoch wiederkommt, steht im kalten Schatten seines ehemals lebendigen Ichs.

Zunächst möchte ich gerne auf den Schreibstil Garveys eingehen. In recht kurzen Kapiteln führt die Autorin den Leser in Wrens kleine Heimatstadt. Man findet sich in ihrem Zuhause, Wrens Schule und dem Café in dem sie aushilft, recht schnell zurecht. Der Schreibstil trägt aber nicht nur zu reichen, visuellen Eindrücken bei sondern ist in sich sehr flüssig.

Wren schildert ihren Kummer um Danny und ihre Umgebung eingehend. Es ist sehr schnell klar, dass dieses Mädchen besondere Fähigkeiten in sich trägt. Auch ihre Mutter, ihre Tante und ihre verstorbene Großmutter besitzen magische Kräfte. Ebenfalls ihre kleine Schwester scheint erste (unbeabsichtigte) Erfahrungen zu machen.

Ist dieses Buch also eine rundum gelungene Geschichte? Meine Antwort hierauf lautet leider „nein“.
Was mir oftmals missfiel war Wren selbst. Einen Draht konnte ich zu dieser Figur nicht wirklich aufbauen. Wer so verliebt ist wie Wren, tut dumme Dinge um das alte und schöne nicht zu verlieren. Aus Verzweiflung schießt sicher jeder über das Ziel hinaus. Und Trauer kann lähmen. Doch selbst während Wren sich immer wieder sagt, dass die Situation mit Danny ein Ende finden muss und sie eine Lösung braucht, tut sie lange gar nichts. So kommt es zu wiederholenden Dialogen, Selbstmitleid und simpler Nichtstuerei während ihr Freund sich mit wiederkehrenden Erinnerungen quält. Ja, sicher sie ist jung und noch entsprechend naiv, aber dumm hätte sich Wren nicht stellen müssen. Sie flüchtet regelrecht vor der Schadensbegrenzung, indem sie die Familie ausschließt. Das empfand ich als sehr schade. Ich hätte es viel spannender gefunden, wenn Wren sich gemeinsam mit ihrer Mutter und Tante auf der Suche nach einer Lösung begeben hätten. Anstelle dessen wurden Wrens Gefühle zu einem riesengroßen Drama aufgebauscht. Anstelle mehr über ihre Wurzeln in Erfahrung zu bringen, war sie ständig wehleidig und halt doch sehr selbstbezogen. Da tat mir Danny, der zunehmend verwirrter wurde, mehr leid. Einst der Traummann den jeder aus verständlichen Gründen liebt. Man konnte anhand von Wrens Schilderungen verstehen, weshalb sie ihn so schmerzlich vermisste. Dennoch war Danny schlichtweg nur noch ein Zombie. Ein ‚Ding‘ ohne Herzschlag. Eine für Wren tickende Zeitbombe.

Was der Geschichte noch wenigstens etwas Aufwind gab, war Gabriel. Sehr mysteriös taucht er auf einmal im Örtchen auf und weiß bei Wren sofort, das da was nicht stimmt. Ein Junge, der Taten von Wren fordert. Ein Junge, der sie aus eigener Erfahrung halbwegs verstehen kann. Wren selbst versucht sich immer wieder von ihm zu lösen. Doch die Anziehung zu ihm ist berechtigterweise groß.

Die Idee von Amy Garvey ist wirklich gut. Die Umsetzung hingegen empfand ich als eher mau. Hier gibt es viel Ausbaubedarf um spannendere, effektvolle Handlungsstränge zu schaffen. Natürlich ist dies ein Serienauftakt und man hat noch eine gewisse Narrenfreiheit um gewisse Aspekte auszuarbeiten. Aber wieso beließ es die Autorin dabei, über Wrens Familie nichts preiszugeben? Zweiter Teil hin oder her. Wrens Fähigkeiten, was sie damit tun kann und was es mit der ganzen Familie auf sich hat, wären doch ein Kern der Geschichte gewesen. Doch das Potenzial wurde nicht von Amy Garvey genutzt. Auch das Ende war keine Überraschung.

 

 

 

Spieglein Spieglein…

Das Cover zum Buch ist natürlich ein Hingucker. Was mir hieran besonders gefällt, ist wie detailgetreu gewisse Dinge aus der Geschichte, integriert wurden. Man sieht Dannys zeichnende Hand, weil dies seine große Leidenschaft im Leben und im Tod ist. Man sieht den Baum und Bluttropfen. Ein umschlungenes Paar, welches Wren und Danny zeigt. Sogar die Garage, in der Wren ihren Danny versteckt. Herbstblätter und Ranken unterstreichen das Gefühl für den Jahreszeitenwechsel. Wirklich sehr stimmig und sehr gut umgesetzt.

 

Tacheles…

Eine vielversprechende Idee, die mir meinem Geschmack nach nicht genügend ausgearbeitet wurde. Hier wurde zu sehr um das Gefühlsleid der Protagonistin rumgeschrieben. Die Familie Wrens wäre für mich interessant gewesen. Aber ich habe letztendlich, genau wie Wren, kaum was über den Stammbaum erfahren. Insgesamt bekommt „Deine Lippen, so kalt“ von mir ganz schwache, aber großzügige drei Bewertungspunkte. Der Schreibstil an sich und das Cover sind noch Pluspunkte wert und trugen zur Bewertung bei. Ich hoffe, die Autorin hat sich beim zweiten Buch – gerade als Originaltitel („Cold Heart“) in den USA erschienen – mehr ins Zeug gelegt. Ob ich es lesen werde, muss ich noch überdenken.

 

 

 

Buchtitel: Deine Lippen, so kalt

Seiten: 320 (gebundene Ausgabe)

Verlag: cbj

Sprache: Deutsch

Übersetzer: Katrin Weingran

ISBN: 978-3570153321

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 bis 15 Jahre

 

   

 

 

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    1 Nestgeflüster zu “Rezension zu „Deine Lippen, so kalt“ von Amy Garvey”

    1. Beatrix Alfs am 3. Oktober 2012 um 18:06 Uhr

      Das ist auch genau meine Meinung! Aus dieser tollen Idee, die die Autorin nun einmal hatte, hätte sie mehr machen können. Ich habe auch vermisst, etwas über die Wurzeln von Wren zu erfahren, was es mit ihrem Vater auf sich hatte. Und auch ich konnte keinen Draht zu der Protagonistin finden. Das Buch hat mich enttäuscht.

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