Rezension zu „Drowning – Tödliches Element“ von Rachel Ward

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Drowning_Ward

 

Drowning – Tödliches Element / Autorin: Rachel Ward / Übersetzer: Uwe-Michael Gutzschhahn / Seiten: 336 (Softcover) / Verlag: Chickenhouse

 

Die Autorin…

Rachel Ward, 1964 geboren, wuchs in der Grafschaft Surrey südlich von London auf und studierte Geografie in Durham. Erst mit 40 Jahren widmete sie sich dem Schreiben. Ihr Debüt „Numbers – Den Tod im Blick“ ist international vielfach ausgezeichnet und 2011 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert worden. Die daraus entstandene „Numbers“-Trilogie wurde weltweit zum Bestseller. Rachel Ward lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Bath, England.

Nähere Autoreninformationen: www.rachelwardbooks.com

 

 

 

„Er kommt zu sich. Ein Tropfen trifft sein linkes Auge. Dann schießt Regen aus dem grauen Himmel. Er dreht den Kopf zur Seite, spuckt Schlamm und Kies aus, entdeckt ein Gesicht, wenige Meter entfernt. Haare kleben wie dünne Schlangen auf der Stirn. Aus dem Mundwinkel rinnt Wasser. Bleiche Haut, dreckverschmiert, geschlossene Augen. Es ist sein eigenes Gesicht!“

 

Der Plot…

Als der 15-jährige Carl aufwacht, liegt sein Bruder Rob tot neben ihm. Doch wieso? Was ist passiert? Carls Gedächnis gleicht einem Sieb. Er kann sich an nichts erinnern. Nicht, wie sein Bruder ertrunken ist, oder warum sie an dem See waren. Auch nicht, weshalb Robs Freundin Neisha, die offensichtlich bei ihnen war, Todesangst vor ihm hat. Hatte Carl selbst etwas mit Robs Tod zutun? Den Gedanken daran, kann er kaum ertragen. Und so beschließt er, dass er herausfinden muss, was passiert ist. Denn Rob ist allgegenwärtig. Carl sieht ihn überall lauernd und drohend.

 

 

Meiner Ansicht nach…

In Rachel Wards neuem Buch, dem Trilogie Auftakt „Drowning – Tödliches Element“, spielt das Element Wasser eine tragende Rolle. Aus der Sichtweise des jungen Carl schnappt der Leser bereits in den ersten Sätzen händeringend nach Luft. Beklemmung macht sich schnell in der Brust breit, denn Carl wurde gerade bewusstlos aus dem Wasser gezogen. Doch was tut er dort am Seeufer? Und wer ist der ihm ähnelnde bleiche Junge, der neben ihm das Bewusstsein nicht mehr erlangt? Nach einigen Minuten wird ihm klar, dass es sein Bruder ist und das Carl selbst eines nicht empfinden kann: Trauer. Hat er etwa seinen eigenen Bruder auf dem Gewissen?

Als begeisterter Leser der Numbers Trilogie freute ich mich riesig, als ich im Frühjahr diesen Jahres von Rachel Wards neuem Projekt hörte. Sie konnte mich bereits zuvor mit einem ungewohnt rauen und packenden Erzählstil unglaublich fesseln. In „Drowning – Tödliches Element“ stellt sie dies wieder einmal unter Beweis. Kurze Kapitel schießen im Eiltempo am Leser vorbei.

Wasser ist in diesem Auftakt Herd für das Grauen, welchem sich der junge Teenager Carl stellen muss. Nach einem vermeintlichen Unfall, bei dem sein Bruder ums Leben kam, hat Carl damit zu kämpfen zurück zu sich zu finden. Er wird dabei immer wieder nicht nur von dunklen Erinnerungen an seinen Bruder heimgesucht. Bruder Rob will ihn einfach nicht gehen lassen. Und dessen Freundin Neisha verstärkt das ungute Gefühl in Carl, dass er allein für den Tod von Rob verantwortlich ist. Doch hat sie damit Recht?

Das Umfeld aus dem die Brüder kommen ist erschütternd. Wieder einmal hat Rachel Ward ihren Protagonisten eine sozialkritische Umgebung aufgebürdet. Ein Zuhause, welches aus Dreck besteht. Carls alleinerziehende Mutter, die mit ihrer Rolle komplett überfordert ist und ihren letzten Funken Verstand in Alkohol ertränkt. Viel Liebe scheint es an diesem Ort nicht zu geben.

Die erdrückende Atmosphäre, das schwierige familiäre Verhältnis und die Gefühle zu Neisha, machen „Drowning“ zu einem elektrisierenden und schaurigen Erlebnis. Man weiß nicht, ob hinter dem hilflos erscheinenden Carl nicht doch ein Mörder steckt. Genau wie Carl versucht der Leser Licht ins Dunkel zu bringen. An manchen Stellen hatte ich durch etwas stagnierende Handlungen das Gefühl, niemals aus dem teils widernatürlichen Strudel zu entkommen. Doch die Autorin hielt mich mit spannenden Umschreibungen bei Stange. So konnte es passieren, dass mir selbst das Tropfen des Wasserhahns auf den Magen schlug.

In sich ist „Drowning – Tödliches Element“ mit einem vor Fluten reißenden Ende abgeschlossen. Doch es bleibt Raum für mehr Erzählstoff, den sich die Autorin auch zu eigen machen wird. Natürlich bin ich wieder äußerst gespannt darauf, wie sie das in der Fortsetzung umsetzen wird.

 

 

Tacheles…

Das neue Werk der englischen Autorin Rachel Ward ließ mich fröstelnd und manches Mal nach Luft ringend zurück. Die Idee der Autorin sich dem Element Wasser auf derart schaurige und beklemmende Art zu verschreiben, ist innovativ und äußerst gelungen umgesetzt. So ertrank ich fast in einem Strudel von Eifersucht, Liebe, Rache und Hass. Aber auch Trauerbewältigung und Traumata sind treibende Themen in der Geschichte. Jeder der sich für ein paar spannungsvolle und sehr erdrückende Stunden zwischen die Seiten verkrümeln möchte, sollte sich „Drowning – Tödliches Element“ schnappen.

 

 

chickenhouse

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Mehr Bücher der Autorin:

Numbers – Den Tod im Blick

Numbers – Den Tod vor Augen

Numbers – Den Tod im Griff

 

 

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    2 Nestgeflüster zu “Rezension zu „Drowning – Tödliches Element“ von Rachel Ward”

    1. Kermit am 14. Dezember 2013 um 04:14 Uhr

      Wie schaffts du es nur immer, dass ich deine Rezis lese und dann Bücher im Wunschbrunnen versenke, die ich eigentlich gar nicht lesen wollte ^^“?
      Das klingt aber auch zu gut! Von Rachel Ward habe ich noch nichts gelesen, aber ich glaube ich habe gerade meinen Einstieg gefunden 🙂

      Danke für die Rezi und liebe Grüße,
      Fröschlein

      • Sandy am 14. Dezember 2013 um 11:17 Uhr

        Sowas nennt man unbewusste Anfixerei. Ich hoffe das Buch wird nicht nur im Wunschbrunnen versenkt, sondern auch geborgen. 😉
        Rachel Ward hat so einen ganz gewissen Schreibstil der richtig an die Seiten kettet und ihre Charaktere sind diese Anti-Helden aus sozialkritische Umgebung. Aber ich mag solche Bücher sehr. Vielleicht liest du ja wirklich bald mal was von ihr. 🙂

        Liebe Grüße an das Fröschlein vom Piepmatz

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