Rezension | „I was here“ von Gayle Forman

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I was here_Forman

 

Autorin: Gayle Forman / Seiten: 270 (Paperback) / Verlag: Simon & Schuster UK / Sprache: Englisch / ISBN: 978-1471124396 / Goodreads | Bücher.de

 

 

Die Autorin…

Gayle Forman, geboren am 5. Juni 1971, ist eine amerikanische Journalistin und Schriftstellerin. Sie begann ihre journalistische Karriere beim “Seventeen Magazine” und arbeitete für große US-Magazine, bevor sie Autorin wurde. Im Jahre 2002 machte sie mit ihrem Mann eine Weltreise. Daraus entstand ihr erstes Buch. Ihr erstes Jugendbuch „Sisters in Sanity“ erschien im Jahr 2007. Danach folgten “Wenn ich bleibe” (OT: “If I stay”) und “Lovesong” (OT: “Where she went”), welche auch in Deutschland bei Blanvalet erfolgreich erschienen. Im Jahr 2014 kam „Wenn ich bleibe“ als sehr authentische Buchverfilmung in die deutschen Kinos. Formans nächstes Projekt “Just One Day” erschien im Januar 2013 als Originaltitel bei Dutton Juvenile. “Just One Year”, eine Art Companion, erschien ein Jahr später und beschreibt die Erlebnisse von Allyson Healeys Flirt Willem de Ruiter. „I was here“ ist Formans neuestes Werk. Sie lebt mit ihrer Familie in Brooklyn, New York.

Website: http://www.gayleforman.com/

 

 

Der Plot…

Die achtzehnjährige Cody Reynolds ist verwirrt, wütend, aber vor allem trauert sie. Sie kann nicht fassen, dass ihre beste Freundin Meg – mit der sie alles teilte und die für sie Familie war – sich das Leben genommen hat. Taub vor Schmerz über den Freitod Megs, begibt sie sich auf die Suche nach Antworten. Ihre Reise führt sie an die letzten Stationen in Megs viel zu kurzem Leben. Cody trifft unter anderem auf Ben, der Meg vor ihrer Entscheidung sehr nahe kam. Cody erlangt zu der zermürbenden Gewissheit, dass sie Meg schon vor langer Zeit verloren hat. Entdeckungen über Megs erschreckend detaillierte Ausarbeitungen ihres Ablebens, lassen Cody den Sinn an alles was sie für sich und ihre beste Freundin erträumte, zweifeln.

 

 

Meiner Ansicht nach…

In Gayle Forman’s neuestem Buch I WAS HERE wurde ich zum ersten Mal, seit „If I stay“, von der Autorin positiv überrascht. Forman hat nicht nur thematisch einen anderen Weg eingeschlagen, sondern die Stimmung fühlte sich reifer und sehr viel mehr wie eine All-Age-Erzählung an. Während ich bei den anderen Büchern der Autorin manchmal beim lesen das Gefühl bekam, dass sie – genau wie ihre jeweilige Protagonistin – beim Schreiben erst den Rhythmus finden musste, floss es bei „I was here“ von Beginn an erstaunlich harmonisch.

Der Leser begegnet dem Thema Depression, Freitod und Trauerbewältigung. Hauptfigur Cody ist in Letzterem nicht besonders gut. Am Boden zerstört und überwältigt von der Leere die ihre beste Freundin hinterlassen hat, kann sie sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie ihr Leben ohne Meg ausschauen soll.

 

„…I Was Here. She loved that…
She’d written the phrase on her own graffiti wall and kept threatening to get a tattoo of it one day…“

 

Gayle Forman nimmt sich stets in ihren Büchern schwierigen Persönlichkeiten und deren emotionale Reise an. So auch wieder in „I was here“. Obwohl ich mit Protagonistin Cody hier und da kleine innerliche Rangeleien hatte, verstand ich auch ihre Situation. Dem Mädchen wird es nicht leicht gemacht. Sie fühlt sich machtlos nach dem Tod ihrer besten Freundin. Schuldbewusst fühlt Cody  sich, weil sie Meg nicht, wie jahrelang gemeinsam geplant, an die Universität folgen konnte und es ihrer Freundin irgendwie übel nahm, dass diese allein ging.  Die unbeständige Beziehung zu ihrer Mutter und das sie ihren Vater nie kennengelernt hat, lasten ebenfalls auf Cody. Und dann bittet Megs trauernde Familie sie auch noch darum, Megs Habseligkeiten vom College abzuholen. Für Cody beginnt ein innerlicher Kampf, während sie E-Mails von Meg entdeckt, die deren Weg zum Suizid-Entschluss pflastern.

Nebenfiguren wie >Stoner Richard<, Harry Kang und natürlich auch Ben, schloss ich in mein Herz. Sie gehörten zu den letzten Menschen, die Meg begegneten. Da machte es absolut Sinn, dass sie auch Cody auf ihrem Weg zur Wahrheit über Megs Tod, mal mehr und weniger, begleiteten.

Ich mochte Bens Figur recht gern, auch wenn ihm von der Autorin zunächst der Stempel des bösen Jungen aufgedrückt wurde. Mich sprach es auch sehr an, dass der romantische Aspekt generell kleiner gehalten wurde und somit nicht von der eigentlichen Message abgelenkt wurde.
Zum Ende fühlte es sich so an, als ob alles etwas zu schnell abgehandelt wurde. Da hätte ich mir eine kleine Drosselung des Tempos gewünscht.

Es kann ein Balance-Akt sein, wie mit der Suizid-Thematik in (Jugend)Büchern umgegangen wird. Wenn dann noch die Gefühle zwischen zwei jungen Menschen einfließen, kann es im schlimmsten Fall zur Romantisierung kommen und das Bild entsprechend verfälscht werden. In I WAS HERE muss man das aber nicht fürchten. Gayle Forman hat für mich die Geschichte unheimlich authentisch erzählt. Als Autor braucht man ganz gewiss sehr viel Einfühlungsvermögen und auch Hintergrundwissen, um sich solch einem schwierigen Thema anzunehmen. Beides hat Gayle Forman auf wunderbare Weise in diesem Buch gekonnt umgesetzt.

 

Persönliche Gedanken nach „I was here“…

Für junge Erwachsene kann das erste Jahr nach dem Schulabschluss hart sein. Es ist prägend für weitere Entscheidungen. Man brauchte sich zuvor lediglich auf die Noten und Prüfungen konzentrieren, ist sicher mit der Clique verankert und denkt nicht daran, dass dieser Cocoon nicht ewig währt. Wenn man seine Umgebung dann aufgeben muss und Freunde ihren eigenen Weg gehen, geht diese Sicherheit verloren.
Das Leben läuft nicht immer nach Plan (sofern man einen hat), es kann einen aus der Bahn werfen. Wichtig ist, dass man sich auf die Veränderung einlässt. Sie willkommen heißt und respektiert. Ebenso sollte man auf keinen Fall Angst davor haben, sich Hilfe zu suchen. Freunde, Familie oder Vertrauenspersonen können Halt geben. Den Mut zu finden, um Hilfe zu bitten, ist aber die größte Kunst. Und das eigene Leben sollte es wert sein, diese Kunst manchmal anzuwenden und nicht gleich aufzugeben. Ich denke, das ist auf spätere Lebensphasen genauso zu erschließen.

 

 

 

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