Rezension | „Liebe ist was für Idioten. Wie mich.“ von Sabine Schoder

Kategorie: Rezensionen, Up(to)date | 2 Nestgeflüster

Liebe ist was für Idioten. Wie mich


Liebe ist was für Idioten. Wie mich. /
Autorin: Sabine Schoder / Seiten: 352 (Klappenbroschur) / Verlag: KJB Fischer / Sprache: Deutsch / KJB Fischer Verlag | Bücher.de | Buchhaus Stern-Verlag

 

 

Die Autorin…

Sabine Schoder, Jahrgang 1982, hat Graphikdesign in Wien studiert und einige Partys in dunklen Bars gefeiert. Ob sie ihren Jay Feretty dort gefunden hat, bleibt ein Geheimnis. Heute lebt sie fernab vom Großstadttrubel in Vorarlberg. ›Liebe ist was für Idioten. Wie mich.‹ ist ihr Debüt.

 

 

 

Der Plot…

Optimistisch gesehen ist Vikis Leben eine Vollkatastrophe. Ihre Mutter ist tot. Ihr Vater ein jämmerlicher Säufer. Ihr Herz ist ein Trümmerhaufen. Da kann man schon mal aus Frust ein paar Tüten zu viel rauchen. Da kann es auch passieren, dass man mit dem Sänger der heiß umworbenen Schülerband im Bett landet, den man eigentlich für vollkommen hirnlos und oberflächlich hält. Wirklich. Kein großes Ding. So was passiert. Aber wieso vergisst Viki den Volltrottel nicht danach einfach wieder? Ist sie jetzt vollkommen verrückt worden? Liebe ist schließlich nur was für Idioten. Also, absolut nix für sie. Oder doch?

 

 

Meiner Ansicht nach…

Es gibt sie immer wieder; die gehypden Bücher. Sie werden angepriesen, sind in aller Munde und wirklich JEDER liebt, oder will sie. Und man selbst sieht sich dann, früher oder später, auch mit dem Buch an der Kasse stehen. So auch bei Sabine Schoders Debüt LIEBE IST WAS FÜR IDIOTEN. WIE MICH. Dabei war ich mir zugegeben noch nicht mal sicher, ob das überhaupt etwas für mich ist. Mädchen findet coolen Abschlepper doof, verbringt trotzdem ein heißes Schäferstündchen mit ihm und kann ihn dann nicht mehr vergessen. Ernsthaft?! Hallo liebes 0815 NA-Klischee! Aber nein, so schnell sollte man das Erstlingswerk dann doch nicht in diese Schublade packen…

Fakt ist, die Protagonistin ist wirklich eine Vollkatastrophe. Von natur aus pessimistisch veranlagt (ihre Lieblingsfarbe ist Schwarz), hat sie der hässlichen Seite des Lebens schon sehr früh entgegen blicken müssen. Als trist, grau und gefühlskalt präsentiert die Autorin dem Leser Vikis Leben. Wut und Abscheu empfindet sie für ihren gewalttätigen Vater. Die Schule ist für sie ein Spießroutenlauf. Einzig ihre beste Freundin zaubert der erschreckend zynischen Viki noch ein Lächeln ins Gesicht. Und so kommt es, dass sie sich an ihrem Geburtstag (den sie nur für ihre Freunde über sich ergehen lässt) mit dem Joint rauchen etwas übernimmt. Das letzte Tütchen hält ihr ausgerechnet Hassobjekt Jay hin. Zur Feier des Tages legt sie ihre Abscheu gegenüber den Star der Schulband aus reichem Hause ab und lässt sich von ihm vernaschen. Doch der One-Night-Stand entwickelt sich, gegen Vikis Zutun, in eine vollkommen andere Richtung. Viki und Jay begegnen sich fortan immer wieder und ziehen sich an, wie die Motte das Licht. Man spürt, wie die Funken sprühen und es ganz ohne Kitsch kräftig knistert. Zum ersten Mal wagt sich das abgestumpfte Mädchen aus ihrer Abwehrhaltung. Sie entdeckt, dass sie vielleicht doch ihre Meinung über Jay noch einmal überdenken muss.

Jay empfand ich als ungeheuer interessant. Obwohl er mit Viki (gefühlstechnisch) schon sehr früh Klartext spricht, merkt man als Leser, dass da noch sehr viel mehr im Verborgenen ist. Dinge, die nicht nur Viki ergründen will.

Sabine Schoders Debüt bietet einen rundum gelungenen Mix aus tragisch grauer Jugendgeschichte mit bissigem Humor und intensiven Emotionen. Der Erzählstil ist süffig, unterhaltend und untermalt von scharfzüngigen Dialogen. Die Autorin gehört für mich somit zu den Entdeckungen des Jahres. Ich wurde nicht mal „abgeschreckt“ als ich erkannte, in welche Richtung sich die Handlung entwickelte. Gebannt und mit bangen verschlang ich jede Seite, um dann komplett vom Ende überrollt zu werden. Und das muss man bei einem Vielleser erst einmal schaffen.

 

 

Tacheles…

Das Debüt der Autorin hat mich schlichtweg geplättet. Sabine Schoder schafft es, den Leser zum Teil dieser Geschichte zu machen. Sie schreibt mit einer schlichten Wortgewalt, die zum anbeten ist und gesteht den Figuren jede Menge Verletzlichkeit zu. LIEBE IST WAS FÜR IDIOTEN. WIE MICH. klingt furchtbar klischeebehaftet, ist es aber nicht. Der Plot ist sehr ehrlich und rau, mit viel Gefühl, ebenso viel bissigem Humor und überzeugt mit einer überraschenden Wende. Wunderbar erfrischend!

 

 

 

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    2 Nestgeflüster zu “Rezension | „Liebe ist was für Idioten. Wie mich.“ von Sabine Schoder”

    1. Sommermaedel22 am 23. September 2015 um 17:04 Uhr

      Hallo Sandy,

      Deine Rezension macht mich wahnsinnig neugierig auf das Buch, bislang habe ich mich noch nicht entscheiden können, ob es auf die Wunschliste soll oder nicht. Aber wenn dich als Vielleser das Buch absolut begeistert hat, dann ist es ein absolutes muss für meine Wunschliste 🙂

      Liebe Grüße
      Corinna

      • Sandy am 24. September 2015 um 19:43 Uhr

        Es hat mich sehr überrascht, wie gut das Buch ist. Konnte es kaum glauben, dass es ein Debüt ist.
        Also, unbedingt im Auge behalten! 😉

        LG

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