Rezension | „All die verdammt perfekten Tage“ von Jennifer Niven

Kategorie: Rezensionen, Up(to)date | 2 Nestgeflüster

Nighting

Autorin: Jennifer Niven/ 400 Seiten / Übersetzung: Alexandra Ernst / Paperback / Verlag: Limes / OT: All the Bright Places / auch erhältlich bei: Bücher.de

 

Die Autorin…

Jennifer Niven wuchs in Indiana auf, dort, wo auch All die verdammt perfekten Tage spielt. Mit der herzzerreißenden Liebesgeschichte von Violet und Finch hat sie Verlage in aller Welt begeistert – die Rechte wurden in 32 Länder verkauft. In den USA stieg All die verdammt perfekten Tage sofort auf Platz 13 der New-York-Times-Bestsellerliste ein, eine Hollywoodverfilmung ist ebenfalls in Planung. Heute lebt die Autorin mit ihrem Verlobten und ihren »literarischen« Katzen in Los Angeles, wo sie 2000 das Schreiben zu ihrem Hauptberuf machte.

 

 

Das Buch…

Als Theodore Finch und Violet Markey sich auf dem Sims des Glockturms der Schule begegnen, ist nicht ganz klar, wer wen rettet. Und als sie gezwungen sind für ein Schulprojekt die „Naturwunder“ ihres Staates gemeinsam zu entdecken, lernen beide mehr über sich als sie sich je hätten träumen lassen. Es beginnt für die beiden eine Reise, auf der sie wunderschöne wie traurige Dinge erleben und große sowie kleine Augenblicke – das Leben eben. Nur mit Violet an seiner Seite, kann Finch er selbst sein – ein verwegener, witziger, lebendiger Typ und nicht der Freak, für den ihn alle halten. Nur bei Finch kann Violet ihre Traurigkeit vergessen, hört auf die Tage runter zu zählen und lebt sie anstelle dessen. Aber während ihre Welt Stück für Stück wieder zu erblühen scheint, beginnt Finch immer mehr zu schrumpfen.

 

 

Mein Resumé…

Zunächst möchte ich hervorheben, dass mir der Vergleich „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ trifft „Eleanor & Park“ etwas aufstößt. Man sollte mit einem freien Kopf an eine Geschichte gehen, die eine so starke Message in sich trägt. Das gilt für diese Bücher, aber auch für Jennifer Nivens Debüt. All die verdammt perfekten Tage_Niven

Ja, ALL DIE VERDAMMT PERFEKTEN TAGE hat eine männliche und weibliche (Teenager)Hauptfigur, die sich in einer heiklen Phase ineinander verlieben. Vielleicht sind es die >altklugen< Weisheiten von Finch und die vielen Zitate aus diversen Gedichten mit denen er und Violet kommunizieren, was dem Roman diesen Stempel aufdrücken lässt. Ich habe mich nicht daran gestört. Außerdem bin ich nicht der Meinung, dass der Suizid-Aspekt romantisiert wird. Es wirkte auf mich eher erschreckend und aufwühlend, wie realistisch die Autorin den emotionalen Status-Quo der Beiden wiedergegeben hat.

Der Roman zog mich schon ab der ersten Seite, durch die narrativen Stimmen der Hauptfiguren, in seinen Bann. Besonders Finchs Charakter faszinierte mich sofort. Alle in der Schule halten Finch für einen Freak. Sie verspotten ihn, weil sie seine Form sich auszudrücken und seine verrückte Spontanität nicht verstehen. Dabei ist Finch ein aufgeschlossener, neugieriger und intelligenter Junge. Er erfindet sich gerne neu und sieht die Welt etwas anders. Und wie sich herausstellt, sind seine Gedanken auch so manches Mal an einem dunklen Ort.
An einem dunkleren Ort ist Violet seit sie ihre Schwester und zugleich beste Freundin verloren hat. Die Zeiten in der sie zur It-Clique gehörte, sind vorbei. Stattdessen versteckt sie sich und weiß nicht mehr, wo noch ihr Platz im Leben ist. Dagegen empfand ich das Verhalten ihrer Eltern, die auch nach dem Tod von Violets Schwester sehr stark im Leben verankert sind, als etwas zu weit daher geholt.

 

„Unter einer Kuppel aus Sternen laufe ich durch die schwarze Nacht und denke über >Eleganz und Euphorie< nach. Diese Worte beschreiben genau das Gefühl, das ich bei Violet habe.“
Finch ~ S. 214

 

Die Geschichte der Beiden erzählt Jennifer Niven aus der Wechselperspektive. Tatsächlich mochte ich über einen langen Zeitraum Finchs Sicht sehr viel lieber, was sicher an seinem Wesen lag. Violet brauchte bei mir einen etwas größeren Vorlauf. Die Begeisterung wurde bei mir etwas schmaler durch die zeitweise stockende Handlung. Jennifer Nivens Schreibstil ist jedoch ausgesprochen schön und nahm mich immer wieder mit atemberaubender Prosa gefangen. Allerdings ist Niven auch brutal ehrlich, was dem Plot sehr viel mehr Traurigkeit und Dunkelheit gibt als es zunächst scheint.

 

„…Es ist nicht schlimm, dass wir keine Souvenirs gesammelt und unsere Erlebnisse nicht niedergeschrieben haben, damit sie für andere Menschen Sinn ergeben. Denn es geht nicht um das, was man mitnimmt, sondern um das, was man zurücklässt.“
Violet ~ S. 389

 

Finch und Violets Geschichte wirft ein Bild auf unsere bisweilen oberflächliche Gesellschaft, und wie sie mit dem Anderssein eines Menschen umgeht. Wie wir unbewusst durch Bemerkungen unser Gegenüber bis ins Mark treffen können. Wie stark sich ein junger ungereifter Mensch nach einem gewissen Zeitraum darüber definiert, umschreibt Jennifer Niven sehr authentisch. Das Nachwort und die in sich tragende persönliche Nachricht, weshalb dieses Buch entstanden ist, hat mich zuletzt noch einmal berührt.

 

 

Tacheles…

Ich bin froh darüber, mich von Vergleichen zu anderen Werken freigemacht zu haben. ALL DIE VERDAMMT PERFEKTEN TAGE im Ganzen ist emotional sehr aufwühlend und verwirrend. Trotz der starken Charakter Zeichnungen, werden die beiden Hauptfiguren insbesondere durch ihre Verletzlichkeiten geprägt. Vor allem Finchs und Violets Schmerz und Einsamkeit, ist sehr hart für einen von „draußen“ zu definieren. Und gerade deshalb kommt der Roman von Jennifer Niven dem Perfekten ziemlich nahe.

 

 

Das Gewinnspiel…

Im Rahmen der Veröffentlichung von Jennifer Nivens Debüt veranstaltet der Limes Verlag ein schönes Gewinnspiel. Wer sein Glück versuchen möchte, folge dem Pfeil! -> Gewinnspiel

 

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    2 Nestgeflüster zu “Rezension | „All die verdammt perfekten Tage“ von Jennifer Niven”

    1. Nelly am 7. Januar 2016 um 00:40 Uhr

      Hallöchen,
      ich finde, du hast da eine wirklich spannende Rezension geschrieben, obwohl unsere Meinungen zu dem Buch doch recht auseinander gehen. In dem Punkt mit den Vergleichen mit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ muss ich dir allerdings Recht geben. Der Vergleich hinkt nicht nur an einer Stelle und auch während des Lesens hatte ich nie das Gefühl, die gleiche Art Buch zu lesen.

      Allerdings konnte mich das Buch irgendwie nicht so recht in seinen Bann ziehen. Zum Mittelteil hin wurde es für meine Ansicht doch echt langatmig und das spannende Ende konnte mich dann irgendwie auch nicht mehr überzeugen.

      Alles Liebe, Nelly

      • Sandy am 7. Januar 2016 um 15:28 Uhr

        Hi Nelly,
        danke schön! Unterscheiden sich unsere Meinung sooo sehr? Perfekt fand ich es ja nicht. Die Längen zur Mitte schneide ich auch an. Allerdings konnte mich das Ende noch überzeugen. 🙂

        Liebe Grüße,
        Sandy

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