Rezension | „So wüst und schön sah ich noch keinen Tag“ von Elizabeth LaBan

Kategorie: Rezensionen, Up(to)date | 2 Nestgeflüster

So wüst und schön sah_LaBan

 

 Autorin: Elizabeth LaBan / 288 Seiten / Übersetzung: Birgit Kollmann / Gebundene Ausgabe / Verlag: Carl Hanser Verlag / OT: The Tragedy Paper / auch erhältlich bei: Bücher.de, mayersche.de

 

 

Der Plot…

Im renommierten Irving-College ist es Tradition, seinem Zimmer-Nachfolger eine Überraschung zu hinterlassen. Duncan findet besprochene CDs seines Vorgängers Tim, die eine traurige Liebesgeschichte offenbaren. Tim, der als Albino meist zum Opfer von Anfeindungen und Mobbing wird, verliebt sich darin in die begehrenswerte Vanessa. Mit ihr fühlt er sich das erste Mal nicht als Außenseiter. Trotzdem fehlt ihm der Mut, ihr seine Gefühle zu gestehen. Ein Mangel an Selbstbewusstsein, der zum tragischen Unglück führt. Für Duncan ist Tims Geschichte aber der Anstoß, endlich den entscheidenden Schritt in Richtung Liebe zu tun.

 

 

Mein Resumé…

Oberflächlich betrachtet ist dieses Buch nichts Neues im Jugendbuch Bereich. Könnte man zumindest meinen. Stereotypisch ist SO WÜST UND SCHÖN SAH ICH NOCH KEINEN TAG aber ganz und gar nicht. Der Roman der Autorin Elizabeth LaBan besticht nämlich durch ruhige, schlichte und zugleich melodische Prosa. Es geht in die Tiefe und bietet eine spannende Handlung. So erzählt LaBan durch Tim Macbeth eine tragische Geschichte in der Geschichte.

Tim Macbeth ist eine Figur, die sofort mein Interesse geweckt hat. Und das nicht nur wegen seines Nachnamens. Tims Leben ist steinig, weil er sich äußerlich sehr von seiner Umgebung unterscheidet. Er ist ein Albino und somit viel zu oft Anfeindungen ausgesetzt. Die Erfahrungen, die er in seinem jungen Leben gemacht hat, ließen ihn leider zu einem verunsicherten, isolierten und unglücklichen Menschen heranwachsen.

Während des Lesens habe ich mir all diese Fakten immer wieder vor Augen geführt.So wüst und schön_original Manches Mal hatte ich dennoch mit Tim kleine Päckchen zu tragen. Das letzte Schuljahr auf dem Elite-Internat Irving soll ja für ihn nochmal zeigen, dass es auch anders sein kann. Er möchte neu beginnen, richtige Freunde haben und die alten Fehler nicht noch einmal begehen. Doch leider ist es schwer für ihn aus seinem alten Verhaltensmuster auszubrechen und er gibt sich zu schnell auf. Einzig Vanessa, in die er sich gleich zu Beginn unsterblich verliebt, lockt ihn manchmal aus dem Schneckenhaus. Eine gewisse Neugierde und sogar ein wenig Unbeschwertheit entfalten sich dann bei Tim. Doch seine Bedenken werfen ihn immer wieder zurück. Und so steuert er im Bemühen es besser zu machen, unwissentlich auf eine Tragödie zu, die alles verändert. Während er nach all den Geschehnissen das Internat verlässt, erzählt er dem Jungen Duncan seine Geschichte in Form von aufgenommenen CDs.

Wir erfahren also erst in Rückblenden von Tim und Vanessas Tragödie. Es ist eine Geschichte, die für Duncan wichtig ist zu hören, denn auch er wird zu einem Teil davon. Er fühlt sich in gewissem Maße mitschuldig an den Geschehnissen um Tim und Vanessa.

Obwohl beide Erzählperspektiven ineinander übergehen und voneinander abhängig sind, für den Fortlauf der Handlung, fühlte ich eine gewisse Distanz zu Duncan. Ich denke, das liegt vor allem daran, dass Tims Kapitel aus der ersten Person geschildert wurden, wogegen der Rest aus der dritten Person entspringt. Hier hätte ich mir gewünscht, dass sich die Autorin zum Wohle beider Figuren für eine Form entscheidet. So war für mich Duncan einfach schwieriger zu greifen.

Die Erzählungen Tims zu dem schicksalhaften Ereignis an sich, ist spannend und auch erschreckend zu lesen, aber vollkommen überrascht war ich nicht. Die Auflösung der Tragödie wurde schon etwas in die Länge gezogen, war aber nicht langweilig zu lesen. Danach hingegen ging es recht zackig auf das Ende zu, was ich schade fand, denn ich wäre gerne noch länger bei Tim und Duncan geblieben.

Das Setting, die Irving School, gefiel mir als solches unheimlich gut. Die Geschichte und Traditionen der Schule und die Mythen um vergangene Studenten, drangen darauf sich zu entfalten.

Allgemein eignet sich SO WÜST UND SCHÖN SAH ICH NOCH KEINEN TAG auch hervorragend als Schullektüre, zum Beispiel als Gegenüberstellung von Werken wie „Der Club der toten Dichter“, oder um das Thema >Tragödie in der Literatur< aufzunehmen.

 

 

Tacheles…

Elizabeth LaBans Geschichte zweier gegensätzlicher Jungen ist ungewöhnlich und bietet durch die Prosa, und den gemächlichen Rhythmus so einige Gänsehaut-Momente. Manchmal fehlte mir etwas mehr Intensität bei den Figuren und ich wollte mehr vom tollen Setting erleben. In Gänze verbreitet „So wüst und schön sah ich noch keinen Tag“ definitiv Licht und Schönheit, sowie viel Traurigkeit und Melancholie.

 

 

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    2 Nestgeflüster zu “Rezension | „So wüst und schön sah ich noch keinen Tag“ von Elizabeth LaBan”

    1. Shanty am 16. März 2016 um 13:55 Uhr

      Hallo Sandy,
      das wesentliche auf den Punkt zusammen gefasst, gefällt mir sehr. Mochte das Buch, weil es Abwechslung in diesem Genrebereich bietet. Besonders die Art wie die Geschichte erzählt wird, fand ich toll. Gelungene Perspektivwechsel sind selten, noch seltener ergeben sie Sinn. Hier empfand ich es insgesamt einfach als sehr rund. Schön beschrieben.

      Grüßerl,
      Shanty

      • Sandy am 16. März 2016 um 15:21 Uhr

        Danke, liebe Shanty! Ja, der Perspektivenwechsel und vor allem die Sichtweise Tims durch die aufgenommenen CDs, wurden spannend umgesetzt. Mehr Abwechslung braucht dieser Bereich wirklich. Stylistisch gleichen sich zu viele YA-Bücher. Dieses Gefühl von >mehr wollen< verließ mich bei "So wüst und schön..." nicht so ganz. Aber das ist auch Ansichtssache. Dagegen gefiel mir die fast mystische Stimmung sehr. Liebe Grüße, Sandy

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