Rezension | „Und in mir der unbesiegbare Sommer“/ „Between Shades of Gray“ von Ruta Sepetys

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Autorin: Ruta Sepetys / 304 Seiten / Übersetzung: Henning Ahrens / Taschenbuch / Verlag: Carlsen / OT: Between Shades of Gray / erhältlich bei: bücher.de, mayersche.de

 

Der Plot…

Litauen, Sommer 1941: Lina trägt noch ihr Nachthemd, als man sie, ihre Mutter und ihren jüngeren Bruder Jonas abholt. Zu diesem Zeitpunkt, weiß sie noch nicht, dass die sowjetische Geheimpolizei auch ihren Vater – Professor an der Universität – verhaftet hat. Und auch nicht, dass sie – wie Zehntausende andere Balten – nach Sibirien deportiert wird. Aus dem warmen schutzumgebenen Zuhause gerissen in die kalte, brutale Reise ins sibirische Nirgendwo. Von einem Tag auf den anderen ist Lina konfrontiert mit unvorstellbarem menschlichen Leid, mit Hunger, Krankheiten und furchtbarer Gewalt. Lina beginnt ihre Eindrücke zu zeichnen, in den Staub, auf jedes kleinste Stück Papier, das sie finden kann. Und sie verliebt sich in Andrius. Lina kämpft um ihr Leben und um das ihrer Familie. Doch wird sie stark genug sein?

 

 

Mein Resumé…

Der Zweite Weltkrieg war Unterrichtsstoff in der Schule. Es gibt unzählige Filme und Dokumentationen, die einem das Herz brechen, weil nichts mehr schmerzt, als zu wissen, dass all diese Grausamkeiten geschehen sind. Aus Menschen wurden Monster, die skrupellos Menschenleben auslöschten. Keine Fiktion, sondern ein Teil unserer Weltgeschichte. 40039768z

Mit so einem Wissen ein Buch wie »Und in mir der unbesiegbare Sommer« zu beginnen, macht richtig Angst. Man macht sich gefasst auf das Schlimmste.
Doch tatsächlich übertrafen all die im Kopf erdachten Grausamkeiten, um mindestens ein Hundertfaches. Ruta Sepetys umschreibt in ihrem Debüt eine fiktionale Geschichte, wie sie jedoch unzähligen Menschen wirklich widerfahren ist. Es ist keine schöne Geschichte. Sie ist brutal, sie ist schonungslos und hässlich. Eine Erzählung inspiriert von Gesprächen mit Zeitzeugen, die Sepetys persönlich traf.

Dieses Buch zu lesen, bedeutet, einem nie zuvor geschilderten wahren und beispiellosen Meilenstein der Geschichte auf den Grund zu gehen. Unzählige Menschen wurden aus ihren Häusern in Viehzüge geworfen und in sibirische Camps verschleppt, wo sie den schlimmsten Qualen ausgesetzt wurden. Zu viele sahen ihre Heimat nie, oder erst Jahrzehnte nach Kriegsende wieder.
Man lernt in Ruta Sepetys Erzählung die wunderbare Lina, ihren Bruder Jonas, ihre Mutter und so viele andere umwerfende Figuren kennen. Fiktionale Persönlichkeiten, die jedoch reflektieren, was so viele Menschen damals durchlebten und fühlten: den unbezwingbaren Überlebenswillen eines Menschen. Sich zu weigern, ihre Würde und Stolz brechen zu lassen.

Between Shades of GrayDie fünfzehnjährige Lina ist die perfekte Erzählerin. Ich liebte ihre Stärke und ihre Wut, und dass sie ihren Weg von Freiheit bis zur Unterdrückung und Folter, künstlerisch festhielt. Dieses Mädchen verliert nie die Hoffnung und kämpft wie eine Löwin für ihr Leben. Sie duldet den Gedanken nicht, dass ihr oder das Leben ihrer Familie, nur den Wert einer Essensmarke haben soll.
Durch die Flashbacks bekommt man außerdem als Leser einen intensiven Einblick auf das Leben Linas vor ihrer Deportierung, was den Verfall ihres Lebens noch so viel entsetzlicher werden lässt.

Es zerriss mich als Leser regelrecht, diese Reise mit Lina und den anderen Charakteren zu gehen. Sepetys Schreibe ist wunderschön und zugleich mit so viel Schmerz verbunden, dass mir die Luft wegblieb. Unzählige Male musste ich das Buch beiseite legen, weil mich die detaillierten Erzählungen überwältigten.

 

 

Tacheles…

Ruta Sepetys Debüt »Und in mir der unbesiegbare Sommer« ist ein Aufschrei gegen das Vergessen. Es ist erschütternd einprägend und gewährt eine andere Sicht auf den Zweiten Weltkrieg. Ruta zog mich mit einer Mischung aus den Abgründen der menschlichen Seele und der Schönheit des Lebens, in einen aufwühlenden Strudel. Unvergesslich.

 

Ruta Sepetys zur Entstehung des Buches…

 

 

Quelle: Autoren Website

 

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    2 Nestgeflüster zu “Rezension | „Und in mir der unbesiegbare Sommer“/ „Between Shades of Gray“ von Ruta Sepetys”

    1. Shanty am 13. November 2016 um 14:56 Uhr

      Huhu liebe Sandy!
      Ich finde wir sollten einen Ruta – Fanclub gründen. Salz für die See hat mich ja schon umgehauen, dieses Schätzchen lese ich nun als nächstes. Deine Meinung hast du sehr ausführlich und gut begründet. Dieses Thema ist wirklich kein einfaches, doch dafür umso wichtiger. Sehr schöne Rezension!

      Grüßerl, Shanty

      • Sandy am 13. November 2016 um 16:38 Uhr

        Hey Shanty!
        Bei einem Ruta-Fanclub bin ich sofort dabei. Für sie sollte man wirklich mehr „die Pompoms schwingen“. Eine sehr unterschätze Autorin.
        Also, für dieses Buch solltest du dich warm anziehen. Das wird sehr ungemütlich. Fand es stellenweise weitaus schlimmer, als wie „Salz für die See“. Bin dann wieder sehr gespannt auf deine Eindrücke. 🙂 Und ja, die Rezi ist ziemlich ausschweifend. Da hatte ich mich etwas in Rage geschrieben.

        Grüß dich lieb,
        Sandy

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