Rezension | „Out of the Easy“ von Ruta Sepetys

Kategorie: Rezensionen, Up(to)date | 4 Nestgeflüster

 

Autor: Ruta Sepetys / 346 Seiten / Taschenbuch / Verlag: Philomel Books/ Übersetzung: Ein Glück für immer / erhältlich bei: Bücher.de

 

Der Plot…

New Orleans in den Fünfzigerjahren: zwielichtige Gestalten, dunkle Gassen. Josie Moraine ist ein cleveres, liebenswertes Mädchen mit einem großen Herzen, aber bekannt ist sie im French Carter nur als Tochter einer Prostituierten. Dabei versucht sie sich von kleinauf allein durch zuschlagen. Über dem Buchladen, den sie mit ihrem besten Freund Patrick zusammen führt, hat sie ein kleines Zimmer. Doch insgeheim träumt sie davon auf das renommierte Smith College zu gehen und von einer Freundschaft mit Charlotte, einem Mädchen aus einer wohlhabenden Familie. Und auch wenn das unerreichbar scheint für eine junge Frau ihrer Herkunft, will Josie sich nicht von ihren Plänen abbringen lassen. Dann taucht der Gangster „Cincinnati“in der Stadt auf. Ein Mann wird ermordet. Und Josie muss Entscheidungen treffen, die ihr Schicksal bestimmen.

 

 

Meiner Ansicht nach…

Bekannt ist Ruta Sepetys für ihr Debüt »Und in mir der unbesiegbare Sommer« geworden, eine einfühlsame und zugleich sagenhaft grausame Erzählung aus der Zeit des zweiten Weltkriegs. Was diese Epoche angeht, kann man ihr sicherlich nichts vormachen. Sowohl von der Dichte der Informationen, als auch vom erzählerischen Aspekt. Beweis dafür ist ihr neuestes Buch »Salz für die See«, welches momentan für Begeisterung in der Leser- und Bloggergemeinschaft sorgt.

Doch zwischen diesen beiden Romanen brauchte Ruta Sepetys (verständlicherweise) eine Verschnaufpause von der Schwere der Thematik. So entschied sich die US-Autorin für eine ganz andere Geschichte. Mit »Out of the Easy« (dt. Titel „Ein Glück für immer“) ist ihr das ohne jeden Zweifel gelungen. Nach wie vor im Historischen Jugendbuch angesiedelt, entspringt die Geschichte dem pulsierenden 50er Jahren. Nur wenige Jahre nach dem Ende des großen Weltkriegs, sind die Menschen dabei sich wieder aufzurappeln. Amerika steht mitten im harten Umbruch. Die Wirtschaft floriert nicht gerade und der Unterschied zwischen sehr Reich, und Bettelarm ist sehr präsent. Ruta fängt dieses Gefühl der Zeit unheimlich stimmungsvoll ein. Von Beginn an schwingt dem Leser dieses „The Big Easy“-Gefühl entgegen. Die Kleidung, die Musik und das intensive Lebensgefühl wurden zu dieser Zeit vor allem in New Orleans ausgelebt. Dort sind die Menschen hingegangen, um etwas zu erleben und sich wilden Partys hinzugeben. New Orleans war der „Melting Pot der Sünde, zwielichtigen Geschäfte und Verführungen“. Das ist bekannt und nichts neues. Was die Autorin mir allerdings näher brachte, war das Leben der nicht gut betuchten Bewohner New Orleans. Die Arbeiterklasse am Rande des Existenzminimumms. Ruta Sepetys befasst sich tiefer mit diesen Menschen, die sich etwas ausdenken mussten um Geld zu verdienen und trotzdem Träume hatten.

Mitten drin wächst Sepetys‘ Romanheldin Josie Moraine als Tochter einer berüchtigten Prostituierten auf. Entgegen vieler anderer, die in die Stadt kommen, wünscht Josie sich nichts sehnlicher, als all dem zu entfliehen. Ganz anders als ihre durchtriebene Mutter ist die 17-jährige. Sie ist belesen, schlau und wünscht sich nichts sehnlicher, als an einem der renommierten Colleges zu studieren. Doch diesem Kreis zu entkommen, scheint einfach als unmöglich. Ohne Geld und Empfehlung ist auch für das junge Mädchen nicht viel zu machen. Und dann tut sich eine neue Gelegenheit auf. Doch leider halten sich, dank ihrer Mutter, die Probleme nicht von Josie fern. Als Cincinnatti, Gangster und Gelegenheitsliebhaber von Josie Mutter, wieder in der Stadt auftaucht, wird die Luft zunehmend dicker. Und dann wird ein reicher Geschäftsmann, den Josie kurz zuvor getroffen hatte, mysteriöser weise tot aufgefunden.

Mir gefiel Josies Persönlichkeit vom ersten Moment an unwahrscheinlich gut. Sie hat Esprit, ist clever, sehr eigenständig und lässt sich nicht aufs Korn nehmen. Bereits mit elf Jahren sagte sie sich von ihrer Mutter los und zog in ein Zimmer über einem Buchgeschäft. Sie hält sich, trotz ihres Jobs als Hausmädchen im Bordell, aus den >zwielichtigen Geschäften< heraus. Zu tief ist die Abneigung für das Gewerbe. Ihr einziger Ausweg ist immer wieder der zweite Job im Buchladen ihres guten Freundes Patrick.

Aber auch Nebenfiguren fanden bei mir schnell Anklang. Zum Beispiel die raubeinige Willy, die zwar Bordell-Chefin ist, aber Josie unbedingt aus dem Gewerbe raushalten will. Zu ihr schaut Josie auf, was man von der eigenen Mutter nicht behaupten kann. Willy und Josies Beziehung ist sehr besonders und umgibt einen ganz eigenen Rhythmus. Ebenso schloss ich Cokie, den persönlichen Fahrer und Mann für Alles, sehr ins Herz. Aber auch die Mädels im Bordell sorgten bei mir mit ihrer Art für den einen oder anderen Schmunzler. Jede dieser Figuren hat so seine ganz eigenen Spleens, was sie sehr einzigartig macht.

Die Szenen im Freudenhaus werden hier und da recht freizügig umschrieben, driften aber niemals ins vulgäre ab. So schafft es Ruta Sepetys, trotz Setting und Personen, mit null Obszönitäten und dafür mehr Klasse auszukommen. »Out of the Easy« ist definitiv unterhaltend, barg für mich bisweilen aber zu wenige Überraschungen. Nichtsdestotrotz habe ich dieses Buch sehr gern gelesen und musste am Ende sogar ein paar Tränen verdrücken.

 

 

Tacheles…

„Out of the Easy“ entführte mich in das aufregende Setting New Orleans der 50er Jahre. Ruta Sepetys konnte mich wieder einmal verzaubern. Eine wunderbar klar und schnörkellos erzählte Geschichte über die Macht der Träume und der steinerne Weg, diese zu erfüllen.

 

Schön, dass ihr Nightingale's Blog besucht. Wenn ihr lest, freue ich mich sehr. Wenn ihr Euch mir mitteilt, noch viel mehr. Spam verschwindet jedoch durch meine Hand und wird von diesem Blog verbannt.

    4 Nestgeflüster zu “Rezension | „Out of the Easy“ von Ruta Sepetys”

    1. Nanni am 12. Januar 2017 um 16:34 Uhr

      Liebe Sandy,

      eine sehr schöne Rezi 🙂
      Ich mochte das Buch auch total gern. Das Flair des Romans hat mich sofort ergriffen. Die Figuren sind toll konzipiert. Sowohl Josie ist stark, als auch Willi (*seufz*).

      Liebe Grüße
      Nanni

      • Sandy am 16. Januar 2017 um 10:43 Uhr

        Dankeschön, liebe Nanni! Mir gefielen die Figuren auch wieder äußerst gut und atmosphärisch war es auch sehr. Das ist Ruta Sepetys‘ Stärke: die richtige Stimmung und Gefühle einfangen.

        Liebe Grüße,
        Sandy

    2. Shanty am 10. Januar 2017 um 15:11 Uhr

      Uiuiui! Also nachdem ich ‚Salz für die See‘ geliebt habe war schnell klar, dass ich mehr von der Autorin lesen werde. ‚Und in mir der…‘ zog ein. Dieses Buch hatte ich auch schon auf dem Schirm und was soll ich sagen? Sandy, du machst mir immer wieder akute Kauflust! Danke dafür.

      Liebe Grüße
      Shanty

      • Sandy am 10. Januar 2017 um 16:05 Uhr

        Liebe Shanty,
        akute Kauflust verursache ich sehr gerne bei dir. Danke für die lieben Worte! Und ich bin sehr gespannt, was du zu Rutas anderen Büchern – inklusive diesem Schmuckstück – sagen wirst.

        Lieben Gruß,
        Sandy

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