Rezension zu „Phantasmen“ von Kai Meyer

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Phantasmen_Meyer


Phantasmen /
Autor: Kai Meyer / Seiten: 400 / Hardcover / Verlag: Carlsen

 

Der Autor…

Kai Meyer, geboren 1969, studierte Film- und Theaterwissenschaften und arbeitete als Journalist, bevor er sich ganz auf das Schreiben von Büchern verlegte. Er hat inzwischen über fünfzig Titel veröffentlicht, darunter zahlreiche Bestseller, und gilt als einer der wichtigsten Phantastik-Autoren Deutschlands. Seine Werke erscheinen auch als Film-, Comic- und Hörspieladaptionen und wurden in siebenundzwanzig Sprachen übersetzt.

Quelle Autoreninformation: Carlsen Verlag

 

 

Der Plot…

Seit 18 Monaten ist die Welt ein anderer Ort. Seit >Tag 0< lebt die Menschheit nicht mehr allein auf dem Planeten Erde. Eines Tages erschienen die ersten Geister. Es sind die leeren Hüllen verstorbener Menschen. Und jeden Tag vermehren sie sich. Was sie tun ist einfach nur leuchtend und bewegungslos an ihrem Sterbeort dazustehen. Die weissen Augen stets auf die Sonne gerichtet. Sie scheinen friedlich und die Menschen haben sich mit ihnen arrangiert.
An der Absturzstelle eines Flugzeugs, mitten in Europas einziger Wüste, warten zwei junge Mädchen darauf, dass die Geister ihrer verstorbenen Eltern auftauchen. Rain hofft, diese Reise könnte ihrer Schwester Emma helfen, Abschied zu nehmen. Auch Tyler ist hierhergekommen, um seine große Liebe Flavie noch einmal zu sehen. Schließlich tauchen die Geister auf. Doch dieses Mal lächeln sie. Und es ist ein böses Lächeln.

 

 

Meiner Ansicht nach…

Kai Meyer hat sich seit seiner Arkadien Trilogie einen Stammplatz in meinem Buchregal ergattert. Ich liebe seine Bücher, weil man bei dem Autor nie weiß, was als Nächstes kommt. Damit hält er seine Leser bei Laune. So war natürlich meine Neugierde bei der Bekanntgabe des Plots von „Phantasmen“ unbändig groß. In seinem neuen Einzelband vereint Kai Meyer Geistergeschichte und Endzeit. Klingt jetzt irgendwie nicht so spektakulär?! Nun, die Umsetzung bewies mir Gegenteiliges. DIESE Geister und das ganze Konstrukt dahinter ließen mir als Leser das Blut in den Adern gefrieren. Und dabei begann alles so harmlos…

Eines Tages erscheinen die Geister auf allen Teilen der Welt, immer dort wo sie zuvor gestorben sind. Die Menschheit kennt den Ursprung nicht und akzeptiert die Präsenz der Geister irgendwann als etwas Natürliches. Die Erscheinungen bewegen sich kaum. Sie reden nicht, verziehen keine Miene und suchen keinen Kontakt zu den Menschen. Ihr Blick ist stets auf die Sonne gerichtet, als ob sie auf etwas warten würden.
Doch all das ändert sich eines Nachts in der spanischen Wüste. Ausgerechnet das junge Mädchen Rain und ihre Schwester Emma, die dort eigentlich auf ein letztes Wiedersehen mit ihren Eltern hoffen, erleben die Wendung hautnah mit. Die Geister reagieren plötzlich mit einem Fratzenartigen Lächeln auf sie, welches den Herzen der Mädchen gefährlich schmerzt. Hilfe bekommen Emma und Rain in letzter Sekunde von Taylor, einem jungen Typen auf einem Motorrad. Kurze Zeit später wird das ganze Ausmaß der sogenannten >Smilewave< bekannt. Millionen von Menschen verlieren im Takt des Geisterlächelns ihr Leben. Eine Geisterinvasion bricht über die Erde herein und für das 3er-Gespann wird der Bewegungsgrad immer schmaler.

Atmosphärisch, sehr düster und rätselhaft ist „Phantasmen“. Der Erzählstil ist wie vom Autor nicht anders gewohnt, packend und dicht, und bekam noch ein schnittiges Tempo verpasst. Die vielen Fakten wurden hier und da mühelos reingestreut und verhindern so eine Reizüberflutung.

Wie in seinen vorherigen Werken, schuf der Autor auch in „Phantasmen“ wieder sehr komplexe Figuren. Junge Menschen, die von Verlust und gewissen Erfahrungen im Leben gezeichneter sind als ihre Altersgenossen. Geschildert werden die Ereignisse aus der Ich-Perspektive von Rain. Einem Mädchen, dass nicht nur ihre Eltern zu früh verlor, sondern das danach noch ein Trauma ganz anderer Art davon tragen musste. Emma, ihre jüngere Schwester, ist ein ungewöhnlich intelligentes Mädchen. Ihre Scharfsinnigkeit machte sie zur kleinen Superheldin für mich.
Die Reise in die Wüste sollte eigentlich das Ende der Trauer werden und den Anfang für eine hoffnungsvolle Zukunft bieten. Doch die Geister die sie heimsuchen, machen all Hoffnungen zunichte. Taylor, ein geheimnisvoller Schwede auf einem Motorrad, steht ihnen bei. Oder vielleicht sind auch Rain und Emma sein Anker. Bereits kurze Zeit sind sie ein eingespieltes Team. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach Taylors verschollener Freundin Flavie und stoßen dabei auf unfassbare Neuigkeiten.

Der Fortlauf der Handlung ist durchwegs perfekt getimed. Kai Meyer zottelt seine Figuren quer durch die spanische Steppe bis über den >großen Teich<, wo das Chaos jede Befürchtungen noch weit überwiegt. Gelungene Wendungen und nervenaufreibende Hetzjagden schließen den Kreis.

Für das Ende gab es bei einigen Lesern leichte Kritik. Zu still, zu übereilt. Ich für meinen Teil fand es ziemlich perfekt. Hier überlässt nämlich Kai Meyer seinen Lesern wieder etwas Vorstellungskraft. Und will man nicht nach dem Ende der Welt, wie wir sie kannten, einfach seine Ruhe?!

 

 

Tacheles…

Kai Meyer hat wieder tief in die Ideenkiste gegriffen und hebt sein neuestes Werk PHANTASMEN somit aus der Masse gekonnt hervor. Dieser Meyer’sche Einzelband ist innovativ und mehr als nur eine schaurige Geistergeschichte mit Endzeittouch. Der Leser wird mit atmosphärischen, temporeichen und dichten Schilderungen zu waghalsigen Jagden entführt. Für mich blieben keinerlei Wünsche offen. Somit gibt es eine uneingeschränkte, phantastische Leseempfehlung!

 

 

Carlsen Verlag | Amazon | Thalia | Mayersche

 

 

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