Rezension | „Love Letters to the Dead“ von Ava Dellaira

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Love Letters to the dead


Love Letters to the Dead /
Autorin: Ava Dellaira / Seiten: 335 (Hardcover) / Verlag: MacMillan / Sprache: Englisch / The Book DepositoryDeutscher Verlag (cbt)

 

Die Autorin…

Ava Dellaira ist Absolventin des Iowa Writers’ Workshop, an dem sie als Truman Capote Stipendiatin teilnahm. Sie wuchs in Albuquerque, New Mexiko auf. Ihren Bachelor machte sie an der Universität von Chicago. Sie glaubt, dass Love Letters to the Dead seinen Anfang nahm, als sie das zweite Mal in ihrem Leben ein Album kaufte –, Nirvanas In Utero – es sich in Schleife anhörte und dabei ihr Tagebuch vollschrieb. Heute lebt Ava Dellaira in Santa Monica, ist in der Filmbranche tätig und arbeitet an ihrem zweiten Roman.

 

 

Der Plot…

Laurel soll für ihren Englischunterricht einen Brief an eine verstorbene Persönlichkeit schreiben. Der von ihr gewählte Empfänger ist Kurt Cobain, der Lieblingssänger ihrer Schwester May, die ebenfalls viel zu früh starb. Und so schüttet sie Kurt ihr einsames Herz auf einem Stück Papier aus. Abgeben tut sie die Hausarbeit nie, beschließt jedoch weiter zu schreiben.
Es folgen weitere lange Unterhaltungen mit toten Berühmtheiten wie Judy Garland, Janis Joplin, Amy Winehouse, River Phoenix und Heath Ledger. Mit all diesen Persönlichkeiten verbindet sie Erinnerungen, als die Welt in der Laurel einmal lebte, noch in Ordnung schien. Denn die Toten verstehen sie scheinbar besser als die Lebenden. Laurel erzählt ihnen von der neuen Schule, ihren neuen Freunden und Sky, dem coolen Jungen an ihrer Schule, der sogar im Sommer eine Lederjacke trägt. Und mit jedem Brief kommt sie einem schrecklichen Geheimnis, welches sie schon viel zu lange mit sich selbst rumschleppt, näher.

 

 

Meiner Ansicht nach…

Es gibt Geschichten, deren Charaktere eine so starke Stimme haben, dass bei den Lesern eine gewisse Anziehungskraft ausgelöst wird. Das war zuvor bei J.D. Salingers „Der Fänger im Roggen“ und bei „Vielleicht lieber morgen“ („Das also ist mein Leben“) von Stephen Chbosky der Fall. Die Autorin Ava Dellaira hat es mit ihrem Debüt LOVE LETTERS TO THE DEAD schon geschafft, in einem Atemzug mit diesen Kollegen genannt zu werden. Aber liegt der Vergleich wirklich so nahe?

Geschildert wird der gesamte Handlungsstrang in Briefform, was somit schon mal die Vergleiche zu anderen Werken, erklärt. Ich persönlich empfinde es als Wagemutig diese Schreibform zu wählen, da es ganz leicht nach hinten losgehen kann. Doch Ava Dellaira entpuppt sich als eine wahre Wortakrobatin. So bringt sie dem Leser die Gefühlswelt von Protagonistin Laurel mit einer ungeheuren Intensität nahe. Man wird eingelullt von kraftvollen und zugleich sehr zerbrechlichen Sätzen, die so das Wesen von Laurel nach außen reflektieren.

Nun, ob man es wahrhaben möchte oder nicht, man sieht eventuell winzige Facetten von sich als Teenager in verlorenen und einsamen Hauptfiguren, wie Laurel, wieder. Sie gehört nicht zu den coolen Kids, sondern ist durchschnittlich und gut darin, nicht aufzufallen. Ich spürte als Leser Laurels Kampf mit sich selbst. Man spürt Laurels Angst, weil die kindliche Unschuld immer mehr verschwindet und sie es nicht aufhalten kann. Das erste Auflehnen gegen Regeln. Der Abnabelungsprozess tritt bei Freunden ein, die einen plötzlich nicht mehr so verstehen und vis a vis.

Für Laurel ist das alles zuviel. Sie hat nicht das Gefühl von Stabilität Zuhause. Redet mit niemandem außer ihren berühmten (toten) Idolen, durch ihre Briefe. Es gab eine Zeit, da hatte Laurel die scheinbar perfekte Familie. Eine Schwester, die sie vergötterte und Eltern, die sich liebten. Doch mit dem Ehe-Aus von Laurels Eltern, ist das Familienidyll dahin. Den größten Schmerz erfährt Laurel, als ihre Schwester May stirbt. Ihr einziger Halt ist nicht mehr da und das junge Mädchen weiß nicht, wohin mit sich selbst und ihrem Schmerz. Sie ist zerrissen. Will sie selbst sein, aber kann auch nicht loslassen von Musik und diversen Gegenständen, welche sie mit ihrer verstorbenen Schwester verbunden haben. Laurel wirkt geradezu besessen von dem Gedanken, es ihrer Schwester gleich zutun.

Mir gefiel, dass die Autorin nicht versuchte, ihre Hauptfigur perfekt darzustellen. Sie gab ihr und ihrem Umfeld jede Menge Makel. Ecken und Kanten, die uns gerade menschlich machen. Ich erwischte mich sehr oft dabei, wie ich eine fiktive Figur am liebsten einfach in meine Arme gezogen hätte. Oder ihr gerne eingeschärft hätte, dass sie den Geist ihrer Schwester nicht braucht um sich zu verwirklichen. Das sie wundervoll und warmherzig ist.

Die Romanze, die sich zwischen Laurel und Sky langsam entwickelt, empfand ich als süß und schön, und ist absolut harmonisch mit dem Rest abgestimmt. Die Gefühle der Beiden stehen nicht im Fokus, jedoch ist Sky wichtig genug für gewisse Entwicklungen. Es kommt nicht selten in Jugendbüchern vor, dass die Hauptfigur schwierige Situationen durchlebt, sich währenddessen verliebt und dabei die Probleme von rosaroten Wolken davon geschoben werden. Nicht so in LOVE LETTERS TO THE DEAD. Die Probleme Laurels verschwinden nicht so einfach durch ihre Verliebtheit, sondern wirken sich auf ihre Beziehung aus. Durch ihre Liebe zu Sky und den vielen Briefen, kommt sie dem wahren Ausmaß ihres emotionalen Zustandes näher denn je. Der Grund, wieso Laurel sich die Schuld an dem Tod ihrer Schwester gibt, wird mit leiser Grausamkeit enthüllt.

Das Debüt von Dellaira war eine große Überraschung für mich. Eine Geschichte voller Leben, Trauer und vom dem Suchen und Finden nach sich selbst. Die Autorin besitzt ein großes Einfühlungsvermögen für ihre Figuren und verleiht den Emotionen ihrer Protagonistin durch ihre Worte, viel Farbe.

 

 

Playlist…

 

 

 

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Tacheles…

Ava Dellaira sollte für dieses Buch einen eigenen Liebesbrief bekommen. Die Autorin liefert mit LOVE LETTERS TO THE DEAD ein starkes und emotional sehr aufwühlendes Debüt. Während des Lesens gab es kaum einen Moment, der mir nicht den Atem raubte. Und so hoffe ich, dass hierzulande viele mit schwerem Herzen, Laurels Briefe lesen werden.

 

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