Rezension | „Egal wohin“ von Franziska Moll

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Egal wohin_Moll


Egal wohin /
Autorin: Franziska Moll / Seiten: 224 (Hardcover) / Verlag: Loewe Verlag / Sprache: Deutsch / Bücher.de

 

 

Die Autorin…

Franziska Moll lebt mit ihren Zwillingsmädchen in einem kleinen idyllischen Dorf in der Nähe von Köln. Sie arbeite mit drogenabhängigen Jugendlichen, verfasste Drehbücher und entwickelte Sitcoms und Filmideen. Doch erst, als sie sich entschloss, nur noch Romane zu verfassen, hatte sie endlich ihren absoluten Traumberuf gefunden. Eigene Verluste inspirierten und bestärkten sie in der Hoffnung, dass aus jedem Schicksalsschlag auch etwas Gutes entstehen kann.

 

Der Plot…

Jo zählt die Tage, bis sie nach Kreta auswandern kann – endlich 18 Jahre alt, endlich unabhängig, endlich frei.
In Kreta möchte sie ein neues Leben anfangen, mit Koch, ihrem Kumpel aus dem Restaurant, in dem sie kellnert. Doch als dieser verschwindet, sieht Jo, dass Koch nicht der einzige Mensch ist, dem Jo am Herzen liegt. Der unscheinbare, geradezu unsichtbare Amar ist es, der sich nun um Jo kümmert, bei ihr bleibt, egal, wie sehr sie ihn von sich stößt. Der ihr die Schönheit des Lebens zeigt, wie nur er sie sehen kann.

 

 

Meiner Ansicht nach…

Nachdem mich das erste Buch von Franziska Moll im letzten Jahr sehr überzeugen konnte, stand es für mich außer Frage, EGAL WOHIN unbedingt lesen zu wollen. Mir gefiel der raue und realistische Erzählstil der Autorin, und dass sie die Gefühle der Figuren und Situationen so einfing, als wenn sie aus jemandes wahren Leben stammen. Diese Spur zieht sich auch ohne jeden Zweifel in Molls neuem Buch durch die Handlung. Der Fokus wird nach wie vor auf schwierige Persönlichkeiten in tragischen Situationen gesetzt, was mir an sich sehr gefällt.

Jo, in elf Tagen volljährig, ist ohne jeden Zweifel so eine schwierige Person. Sich mit ihr in ein Gespräch vertiefen zu wollen, gleicht einem Spießrutenlauf bei welchem man schlussendlich mächtig auf die Nase fällt. Sie ist hart mit sich und ihren Mitmenschen. Engen Kontakt mit anderen lehnt sie grundsätzlich ab. Auch ihr Therapeut ist der Verzweiflung nahe. Einzig >Koch<, den sie durch ihren Job als Aushilfskellnerin kennengelernt hat, sieht sie als respektvolle Bezugsperson. Jo‘s Elternhaus scheint von außen sehr behütet. Doch schon bald erkennt man als Leser, dass ein schönes großes Anwesen und Geld halt doch kalter Rauch sein können, wenn es keine Liebe und zu viel Traurigkeit gibt. Das Mädchen beißt sich an der Hoffnung fest, bald das neue Leben in Kreta mit ihrem guten Freund >Koch< beginnen zu können. Doch der verschwindet kurz vor der Abreise spurlos. Jo versucht herauszufinden, was geschehen ist und muss dabei erkennen, dass sie über ihren Freund eigentlich nichts wusste. Auf der Suche nach Koch steht ihr Amar, die Küchenhilfe und ein Kollege, zur Seite.

Es ist toll, wenn sich ein Autor im Jugendbuch Bereich ernsthaft sehr realistischen Problemen für Jugendliche/junge Erwachsene widmet. Und man merkt auch, dass Franziska Moll indirekt, Erfahrungen bzw. Beobachtungen die sie beruflich mit Jugendlichen gemacht hat, in ihre Bücher einfließen lässt.
Der Schreibstil gefiel mir an sich gut, jedoch beschlich mich immer wieder durch absichtliche Wiederholungen – Erklärungen von Deutsch in Griechisch, oder Jo’s bewährtes Koch sagt – ein genervtes Gefühl beim lesen. Die Therapiesitzungen, verlangten nicht nur dem Therapeuten viele Nerven ab sondern auch mir. Denn dort tat sich Jo in der zwischenmenschlichen Kommunikation am schwersten. Geredet wird auch in ihrem Elternhaus längst nicht mehr. Da haust Jo lieber im Geräteschuppen des herrschaftlichen Anwesens. Einzig wenn sie auf Amar, den ausländischen Küchenjungen, trifft, taut das Mädchen etwas auf. Die beiden beginnen sich anzunähern. Amars unbeholfene Art unsere Sprache zu sprechen und sich gleichermaßen als Helfer anzubieten, gab der Handlung etwas mehr Süße. Er war für mich das kleine strahlende Licht in der Geschichte. Ich mochte Jo am liebsten, wenn sie bei ihm war. Als großes Liebespaar konnte ich beide jedoch nicht so recht sehen.

Das gesamte Ausmaß des kaputten Verhältnisses kommt auch noch zum Vorschein und lies mich daher noch ein bisschen mehr Einsicht für das Verhalten Jo’s haben. Die Auflösung um Jo’s traurige Familienverhältnisse und das Geheimnis um Koch, kamen für mich aber nicht wie ein kompletter Paukenschlag. Ich hätte mir gewünscht, dass einfach ein paar Seiten mehr im Buch gewesen wären. So wirkte das Ende zu schnell und offen.

 

 

Tacheles…

Franziska Molls zweites Buch ist von der Schreibe überzeugend. Schöne Formulierungen und lyrisch verpackte Erinnerungen regen zum Nachdenken und Hinterfragen an. Doch obwohl die familiäre Situation von Hauptfigur Jo alles andere als einfach ist und somit auch klar das Verhalten des Mädchens gerechtfertigt wird, wurde ich mit ihr irgendwie nicht warm. Nebenfiguren, die interessant angepackt wurden, bekamen für meinen Geschmack etwas zu wenig Raum. Womöglich hätte mich ihr Einwirken auf die Protagonistin sonst noch mehr überzeugen können. Die Message der Geschichte ging mir persönlich daher auf dem Wege auch leider etwas verloren.

 

 

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    2 Nestgeflüster zu “Rezension | „Egal wohin“ von Franziska Moll”

    1. Desiree am 19. März 2015 um 15:05 Uhr

      Mich konnte das Buch auch nicht so richtig packen. Ich fand allerdings auch, dass der Schreibstil für noch mehr Distanz zu Jo gesorgt hat, mit der ich mich sowieso etwas schwer getan habe. Und der arme Amar kommt auch nicht so richtig zu Wort…

      LG Desiree

      • Sandy am 20. März 2015 um 14:50 Uhr

        Hi Desiree,
        ja deine Eindrücke kann ich nachempfinden. Ich habe auch etwas länger gebraucht und mich etwas schwer mit der Rezension getan.

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