Rezension | „Mitternachtsclowns“ von J.J. Howard

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Mitternachtsclowns_Howard


Mitternachtsclowns /
Autorin: J.J. Howard / Übersetzung: S. Knuffinke, J. Komina / Seiten: 272 (Hardcover) / Verlag: Loewe  / Sprache: Deutsch

 

Die Autorin…

J.J. Howard weiß immer eine Antwort auf alle Fragen rund um Popmusik, Filme und Fernsehserien, aber sie ist ein hoffnungsloser Fall in Sport und Mathematik. J.J. wuchs in New York und Pennsylvania auf und arbeitete eine Zeitlang als Dozentin für Englische Literatur bevor sie mit dem Schreiben begann. Zu Hause hat sie noch eine Kaffeetasse mit der Aufschrift „Lieblingslehrerin“, auf die sie sehr stolz ist.

 

 

Der Plot…

Lexi ist eine waschechte New Yorkerin. Nie hätte sie gedacht, einmal jenseits der 42. Straße zu leben. Aber nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters ist sie völlig mittellos. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die Suche nach ihrer Mutter zu machen, die die Familie vor Jahren verließ und deren letzter bekannter Aufenthaltsort ein kleiner Wanderzirkus irgendwo im Süden der USA ist. Dort angekommen, findet Lexi zwar nicht ihre Mutter aber wenigstens einen Job und eine Unterkunft. Doch die Show mit ihren schillernden Artisten, Clowns und Feuerschluckern und den exotischen Tieren fasziniert sie. Wenn da nur nicht der beißende Liebeskummer wäre, den Lexi aus New York mitgebracht hat …

 

 

Meiner Ansicht nach…

Eine Coming-of-Age Geschichte, in welcher die Protagonistin durch eine Tragödie wortwörtlich im Zirkus landet?! Das klang für mich sofort interessant. Manege frei und Vorhang auf!

Lange habe ich überlegt, wie ich am besten mit meinem Eindruck beginne. Für mich war natürlich der Aspekt Coming-of-Age und eine Art Selbstfindung im Zirkus, ein erfrischender Anreiz dafür, dieses Buch lesen zu wollen. J.J. Howard wählte die Ich-Perspektive für ihre Protagonistin, was dem Buch sehr zugute kommt. Die Kapitel wechseln zwischen Lexis Gegenwart und den Monaten, vor dem Tod ihres Vaters. Der Leser erfährt so, weshalb die Protagonistin sich gezwungen sah, Hals über Kopf New York zu verlassen.

Lexi/Xandra/X mochte ich sehr. Sie mag etwas abfällig und launenhaft wirken, aber ist in ihrem Herzen ein Mädchen, das sich nach Liebe und Nähe sehnt. Außerdem ist sie ein absoluter Musikfreak – was ihr von ihrem Vater, einem Radio-DJ, vererbt wurde – und stellt mit Vorliebe Playlists zusammen. Toll fand ich, wie die Autorin das immer wieder in die Geschichte einfließen ließ.
Lexis Schicksal ist mir nahe gegangen. Stell sich einer vor, dass man von jetzt auf gleich sein einziges Familienmitglied verliert, der beste Freund nicht mehr mit einem redet und man aus seinem Zuhause getrieben wird. Wie sie damit umging, schien mir natürlich etwas realitätsfern. Die anderen Figuren, wie die Trapezkünstlerinnen im Zirkus, mochte ich sehr. Sie geben Lexi nach langer Zeit wieder das Gefühl, willkommen zu sein und werden für sie zu einer großen Stütze.

Was mich aber zunehmend rieb war, dass die Autorin – meinem Empfinden nach – das Potenzial ihrer Hauptfigur irgendwie nicht richtig nutzte. Ich sah natürlich eine gewisse Entwicklung bei Lexi. Sie ist ein willensstarkes Mädchen, aber gerade in wichtigen Situationen wirkte Lexi dann plötzlich sehr wankelmütig.

Das Verhältnis zu ihrer Mutter stellte Lexi stets als kompliziert und schwierig dar. Mich hat es daher enttäuscht, wie oberflächlich J.J. Howard mit Lexis Suche nach ihrer Mutter umging. Das schwierige Tochter/Mutter-Verhältnis wurde lange komplett außer Acht gelassen, um dann plötzlich ein Schnellverfahren in die Wege zu leiten.

Verblüfft war ich auch über den >emotionalen Verschleiß< von Lexi, was Jungs/Männer angeht. Zunächst beschwert sie sich, dass sie nie Dates hat und nur diesen einen Jungen liebt. Und dann tauchen noch zwei weitere Herzbuben auf, die ihr wankelmütiges Herz lichterloh brennen lassen. Das arme Mädchen.

Ich habe insgesamt viel Potenzial in MITTERNACHTSCLOWNS gesehen. Dieses wurde, meinem Empfinden nach, von der Autorin aber nicht vollends genutzt. Ein paar Seiten mehr hätten der Geschichte mehr Tiefe verliehen und womöglich die zu abrupte Auflösung gedrosselt.

 

 

Tacheles…

MITTERNACHTSCLOWNS ist eine gute Geschichte mit einer super schönen Idee und sehr interessanten Figuren, in einem zauberhaft magischen Setting. Die Ausführungen wirkten, trotz großem Potenzial, leider etwas unvollendet und die Auflösung folgte mir zu abrupt.

 

Loewe VerlagAmazon

 

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    2 Nestgeflüster zu “Rezension | „Mitternachtsclowns“ von J.J. Howard”

    1. Stephie am 19. Juni 2015 um 23:45 Uhr

      Schade, dass es dich nicht ganz überzeugt hat. Aber auf meiner Wunschliste darf es vorerst wohl noch bleiben, denn das ganze Zirkus-Thema reizt mich immer noch sehr.

      • Sandy am 20. Juni 2015 um 12:29 Uhr

        Abraten würde ich es nicht. Und mich interessiert auch die Meinung von anderen Lesern.

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