Rezension | „Am Ende der Welt traf ich Noah“ von Irmgard Kramer

Kategorie: Up(to)date | 4 Nestgeflüster

Am Ende der Welt traf ich Noah_Kramer


Am Ende der Welt traf ich Noah /
Autorin: Irmgard Kramer / Seiten: 253 (Hardcover) / Verlag: Loewe Verlag / Sprache: Deutsch / Bücher.de | Buchhandel.de | Buchhaus Stern-Verlag

 

 

Die Autorin…

Irmgard Kramer wurde 1969 in Vorarlberg geboren und wuchs in einem alten Häuschen auf, das sich lebendig anfühlte. Nach 19 Jahren hängte sie die Arbeit als Grundschullehrerin an den Nagel und lebt heute als freie Autorin zwischen Bergen, Kühen und Käse im Bregenzerwald. Sie schreibt Geschichten für kleine und große Leser sowie Texte für Magazine.

 

 

Der Plot…

Marlene ist genervt. Genervt davon, dass sie nicht mit ihrer besten Freundin in den Urlaub darf und von der ewigen Bevormundung ihrer Eltern. Sie will raus aus ihren viel zu beschützenden Armen und sich endlich frei bewegen können. Da kommt ihr ein verwaister roter Koffer nur Recht. Magisch wird sie von ihm angezogen. Als Irina Pawlowa steigt sie mit dem Koffer in einen Jeep, der sie zur weit abgelegenen Villa Morris bringt. Diese wird nur von einer Nonne, einem Koch und einem Hausmeister bewohnt. Und dann ist da noch der blinde Noah, um den sich alles zu drehen scheint. Er fasziniert Marlene sofort. Doch mit Noah scheint etwas nicht zu stimmen. Sobald er sich von den schützenden Mauern entfernt und raus in die Zivilisation geht, begibt sich Noah angeblich in höchste Lebensgefahr. Irgendetwas außerhalb des weitreichenden Gebietes der Villa, macht in schwer krank. Nichtsdestotrotz möchte er frei sein. Er glaubt fest daran, dass alles nur eine große Lüge ist. Marlene, hoffnungslos verliebt in Noah, willigt ein, mit ihm zu fliehen. Doch sind beide wirklich bereit, für das was dort draußen auf sie wartet?

 

 

„Es war so verlockend: Die Möglichkeit, in eine fremde Rolle zu schlüpfen, lag direkt vor mir. Ich brauchte nur zuzugreifen.“

 

 

Meiner Ansicht nach…

Es gibt sie nicht allzu oft, die Geschichten, die mich auf eine Fährte voller wilder Spekulationen locken um mir dann eine Auflösung an den Kopf zu schmeißen, die mich vollkommen aufgelöst das Buch schließen lässt. Doch Irmgard Kramer hat es geschafft. Auch Tage nach beenden des Buches, schweifen meine Gedanken immer wieder zu Marlene & Noah. Dabei schien es so klar, was ich von AM ENDE DER WELT TRAF ICH NOAH erwarten kann; eine zeitgenössische (romantische?) Sommergeschichte. Luftig, leicht, eine Prise schwermütigen Tiefgangs und ein bisschen Liebeskummer? Ja…und nein. Es wurde ganz anders, als in meiner kühnsten Leserfantasie.

Aus der Sicht Marlenes lässt die Autorin ihre sich nach Freiheit sehnende Protagonistin ausbrechen. Weg von den Eltern will sie sein. Nur für einen Sommer voller Abenteuer. Und das macht sie dann auch. Marlene stibitzt sich einen auf dem Gehweg stehenden roten Koffer und tut das, was ein junges Mädchen eigentlich nicht tun sollte. Sie steigt in ein anhaltendes Auto und gibt sich fortan als Irina Pawlowa aus, die zur Hilfe in eine abgelegene Villa angeheuert wurde. Dort angekommen merkt Marlene dann auch erstmals, das ihr Schnellschuss vielleicht doch eine Schnapsidee war. Doch alles an dieser Villa zieht sie in den Bann, insbesondere der unheimlich charismatische Noah.
Klischee hin oder her, auch ich war ganz fasziniert von ihm. Ein blinder junger Mann, der schwer krank wird sobald er das Gebiet um die abgelegene Villa Morris verlässt. Ich wollte genauso gern wie Marlene herausfinden, was es damit auf sich hat. Meine Fantasie schoss dermaßen in die Höhe, dass ich mir Noah zeitweise zu einem >verwunschenen< (blinden) Wesen ersponn. So richtig wusste ich lange nicht, was ich von diesem Jungen halten sollte. Reifer und belesener als Marlene wirkt Noah, aber auch manches Mal etwas gefühlskalt, was man sicher seinen skurrilen >Aufpassern< zu verdanken hat. Diese wirkten auf mich zeitweise richtig unheimlich und machten die Villa für mich zu einem Spukschloss. Die Charakterzeichnungen im Allgemeinen empfand ich als sehr faszinierend und gelungen.

Die Autorin hat einen sehr einnehmenden, leicht verständlichen schönen Erzählstil. Ich fühlte mich vollkommen verankert in der Geschichte, obwohl ich so lange überhaupt keine Ahnung hatte, was es mit Noah und der Villa auf sich hat. Irmgard Kramer lässt Realität und Fantasie immer mehr miteinander verschmelzen. Auf den letzten hundert Seiten wurde Marlenes & Noahs Abenteuer für mich richtig kurios, aber ich hatte auch das Gefühl, langsam etwas zu erahnen. Die Wende ließ mich vollkommen aufgelöst zurück. Aber die Autorin ließ mich als Leser nicht einfach so mit der Auflösung hängen. Sie führte mich noch ein Stück weiter, sozusagen in Marlene & Noahs wahrhaftige Realität. Von daher war ich zwar auf der einen Seite durch die Geschehnisse nach wie vor zerstreut, aber ich begann durch das schlüssige Ende zu verstehen, wieso die Autorin die Geschichte auf diese Weise erzählen wollte. AM ENDE DER WELT TRAF ICH NOAH ist ein Buch, dass so mancher Leser eine Weile nicht vergessen wird…ich gehöre dazu.

 

 

Tacheles…

Marlene und Noahs Geschichte zog mich in den Bann und ließ mich wild spekulieren. Die Wendung, die ich für sehr lange nicht erahnt habe, brachte mich vollkommen aus dem Konzept. Und obwohl der Teil kurz vor der Wende für mich über alle Maßen verworren war, zog die herzzerreißende Auflösung mich noch einmal in einen Gefühlsstrudel. AM ENDE DER WELT TRAF ICH NOAH ist ein aussergewöhnlich geschriebenes Buch, welches ganz sicher für einige Verwunderung sorgen wird!

 

 

 

Schön, dass ihr Nightingale's Blog besucht. Wenn ihr lest, freue ich mich sehr. Wenn ihr Euch mir mitteilt, noch viel mehr. Spam verschwindet jedoch durch meine Hand und wird von diesem Blog verbannt.

    4 Nestgeflüster zu “Rezension | „Am Ende der Welt traf ich Noah“ von Irmgard Kramer”

    1. Lotta am 29. Juli 2015 um 06:15 Uhr

      Hallöchen 🙂
      Ich muss sagen, dass ich das Buch auch besser fand, als ich am Anfang gedacht hatte. Es hatte am Anfang irgendwie nicht den richtigen Schwung um mich mitzureißen, aber zum Ende hin wurde es immer und immer besser. Wirklich großartig.
      Ich habe deine Rezension auf meinem Blog mit verlinkt und hoffe, dass das für dich okay ist! 🙂

      Liebst, Lotta

      • Sandy am 1. August 2015 um 17:31 Uhr

        Hi du,
        natürlich ist das okay. Ich freue mich sogar sehr. Danke! 🙂
        Und ich verstehe was du in Bezug auf das Buch meinst. Schaue natürlich bald bei dir vorbei und lese mal, was du genau geschrieben hast. 😉

        Grüße dich lieb,
        Sandy

    2. ThatYvo am 25. Juli 2015 um 13:04 Uhr

      Vielen Dank für diese wundervolle Rezension, die mich jetzt zum Kauf animiert hat^^ Das war ein Buch, bei dem ich mir nicht sicher war, ob ich es lesen will und du hast mir die Entscheidung gerade abgenommen 😉

      • Sandy am 1. August 2015 um 17:29 Uhr

        Es freut mich, dass dich die Rezi zum Kauf bringen konnte. Bin SEHR gespannt auf deine persönliche Meinung. 😉

    Hinterlasse eine Antwort