[Review mal anders] „Raum“ von Emma Donoghue

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Raum_Donoghue

 

Autorin: Emma Donoghue / 416 Seiten / Übersetzung: Armin Gontermann / Taschenbuch / Verlag: Piper Verlag / OT: Room / auch erhältlich bei: Bücher.de, mayersche.de

 

 

Der Plot…

Für Jack ist Raum die ganze Welt. Dort essen, spielen und schlafen er und seine Ma. Jack liebt es fernzusehen, denn da sieht er seine »Freunde«, die Cartoonfiguren. Aber er weiß, dass die Dinge hinter der Mattscheibe nicht echt sind – echt sind nur Ma, er und die Dinge in Raum. Bis der Tag kommt, an dem Ma ihm erklärt, dass es noch eine Welt da draußen gibt und dass sie versuchen müssen, aus Raum zu fliehen …

 

 

Zwischen »Raum« und »Draußen«…

Einen ganzen Roman aus der Sicht eines 5-jährigen in einer außergewöhnlich schwierigen Situation zu erzählen, ist eine beachtliche Herausforderung.Raum_original Es bedeutet sich gedanklich in ein Kind rein zu versetzen. So dessen Handeln nachzuvollziehen, sowie die Figur nur sachte zu formen, da sie ja noch in der Entwicklung steckt. Kinder in diesem Alter sind wie übergroße, umher laufende Schwämme. Wo sie auch sind, was sie auch sehen und hören, es wird intensiv aufgesaugt und unter Umständen später hinterfragt. Ihre Fähigkeiten Informationen zu sammeln, ist bemerkenswert. Die Hauptfigur Jack ist da keine Ausnahme.

Der Einstieg war für mich zunächst etwas holprig. Ich brauchte ca. sechzig Seiten, bis ich tatsächlich einen Rhythmus hatte. Jacks Sprache ist fehlerhafter und abgehakter, als die von anderen Kindern in seinem Alter. Er lässt zum Beispiel Artikel vor Substantiven weg. Seine Art zu denken, scheint begrenzter. Das ist nur verständlich, wenn man bedenkt, dass er nur >Raum< kennt. Seine wichtigsten Wissensquellen sind seine Ma und der Fernseher. Auf der anderen Seite ist Jack unheimlich klug, kann sogar schon lesen und schreiben. Als der Knoten bei mir platzte, wurde ich fast magisch von Jack und wie er die Dinge sieht, mitgerissen. Ich empfand es außergewöhnlich und anrührend, wie er Dinge im >Draußen<, die ihn verwirren, auf seine eigene Weise hinterfragt. Ihn dabei zuzusehen, wie er neue Informationen in sich versuchte aufzunehmen und so manches Mal überfordert schien, war herzzerreißend. Durch Jack wird dem Leser wieder bewusst, wie rein Kinder noch sind und wie wichtig es ist, sie zu beschützen. Man erfährt von ihm nur das über seine Mutter, was sie Jack sehen lässt. Man kann daher zunächst nur erahnen, was sie über all die Jahre hat durchmachen müssen. Die Verbindung der Beiden zueinander empfand ich als einzigartig.

Emma Donoghue gelingt es, RAUM zu einem ungewöhnlichen, bedrückenden und fesselnden Abenteuer zu machen. Ein Abenteuer, das den wundervollen kleinen Protagonisten in die Entdeckung der Welt außerhalb seines Wissens führt. Ein Abenteuer, das leider alles andere als weit daher geholt ist. Aufgeteilt in fünf große Teile, packte die Geschichte mich am Kragen und zog mich durch eine schöne und zugleich beklemmende Sicht auf die Beziehung zwischen diesem Jungen und seiner Mutter.

Es werden dem Leser durch Jacks Augen, gesellschaftliche Themen, unser Dasein in seiner natürlichen Form, was richtig und falsch ist und welche ungeheure Kraft Liebe hat, aufgegriffen. Wenn man mich fragt, gibt es keine bessere Person als ein Kind, welches uns etwas über die kalten, harten Fakten des Lebens erzählt. Wer Jack also noch nicht kennt, sollte das schleunigst ändern!

 

 

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