Review | „So bin ich nicht“ von Anneliese Mackintosh

Kategorie: Rezensionen, Up(to)date | 2 Nestgeflüster

So bin ich nicht

 

Autorin: Anneliese Mackintosh / Übersetzung: Gesine Schröder / 320 Seiten / Hardcover / Verlag: Aufbau / auch erhältlich bei: bücher.de, mayersche.de

 

 

Der Plot…

Greta will nur Liebe, Glück, Mittag essen mit Margaret Atwood und endlich einen echten Orgasmus. Aber vor allem möchte sie ihren Vater zurück, mit dem Trinken aufhören und einmal mit der gutaussehenden Frau mithalten, die immer neben ihr auf dem Laufband läuft und T-Shirts trägt mit Schriftzügen wie »Gut ist das Gegenteil von Großartig«. Sie wünscht sich ein normales Verhältnis zu ihrer Mutter und dass ihre Schwester aufhört zu versuchen, sich umzubringen. Sie würde am liebsten nie mehr Kleidung tragen, nie wieder Fleisch essen oder Milch trinken und für radikale politische Ideen kämpfen. Sie würde gern mehr sie selbst sein. Sie würde gern weniger wollen. Denn immer wenn sie etwas erreicht, wird ihr etwas anderes genommen.

 

Gretas Sammelsurium schwer verdaulicher Kost…

Die Autorin Anneliese Mackintosh erzählt mit sehr eindringlicher Stimme und schöner Schreibe die Geschichte(n) der jungen, intelligenten Greta. Der Grad zwischen Humor und tiefster Zerrissen- und Kaputtheit in diesem ungewöhnlichen Buch, ist unheimlich schmal und geht manches Mal fast unauffällig ineinander über. 03.indd

»So bin ich nicht« besteht aus Kurzgeschichten der Protagonistin, die sich aber in Gänze eher wie eine Novelle in zeitlich unsortierten Kapiteln liest. So begleitet man Greta zum Einen bei ihrer aktuellen Trauer um ihren geliebten Vater, um im nächsten Kapitel ihr in einem völlig zusammenhanglosen Ereignis in der (nahen/weiten) Vergangenheit gegenüber zu stehen. Diese aggressiven Sprünge setzen sich über die gesamte Buchlänge fort. Des Weiteren umschreibt sie manchmal ihre Situation textlich wie einen Beipackzettel für ein Medikament, was mir von der Idee her wirklich sehr gefiel. Daher ist es nicht ganz so einfach, das Buch in eine Nische zu packen bzw. als reine Novelle oder Kurzgeschichten Sammlung zu klassifizieren. Ein spannender Aspekt, der bei mir manchmal auch für reichlich Verwirrung sorgte.

Diese Sammlung von Gretas großem (innerlichen) Leid und relativ klein portionierten Glücksmomenten, beinhaltet eine stark emotionale Schreibe mit vielen poetischen Metaphern und schockierendem In-Your-Face Realismus. Gretchen hat sich mit den Jahren unheimlich viele, schwere Päckchen aufgeladen. Von der unbeschwerten und unschuldigen Kindheit zur Ernüchterung, das diese vorbei ist und folgenden Abstürzen. Gretchens langer Weg wird von der unausgeglichenen Beziehung ihrer Eltern, Verlust, eigenen Beziehungsproblemen, Alkoholismus, Depression, Persönlichkeitsstörung, Drogenkonsum und sexuellen Übergriffen gepflastert. Ihr Selbstbild als Tochter, Schwester und Frau wirkte auf mich daher vollkommen verzerrt. Das Resultat ist ein Werk, welches lange schwer in meinem Magen lag.

Man ist sich nicht darüber einig, ob es sich hierbei um ein Memoir der Autorin handelt. Der Gedanke daran ist sehr beängstigend, das eine einzelne Person so viel emotionalen Ballast und körperliche Schmerzen mit sich rumträgt.

 

Im Großen und Ganzen…

ist »So bin ich nicht« keine leichte Lektüre, die man schnell verdaut. Die Geschichte(n) der Protagonistin und ihre Sicht auf diverse Begegnungen gehen an die Nieren und verstören sehr. Daher ist dieses Buch, neben zahlreichen humorvollen Metaphern, sicher kein Spaziergang. Man wird jedoch unweigerlich mit einem undefinierbaren Sog in Gretas Welt gezogen.

 

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    2 Nestgeflüster zu “Review | „So bin ich nicht“ von Anneliese Mackintosh”

    1. schonhalbelf am 20. Mai 2016 um 17:09 Uhr

      Hallo! Ich wollte mich eigentlich nur ganz herzlich dafür bei dir bedanken, dass du mich in deine Linkliste aufgenommen hast, das freut mich sehr. Viele Grüße, Inga

      • Sandy am 20. Mai 2016 um 20:12 Uhr

        Hallo Inga,
        sehr gerne! Auf deinem Blog stöbere ich wirklich gern. Mir gefällt wie du schreibst, die Farben und natürlich die schönen Buchfotos. 🙂

        Herzliche Grüße,
        Sandy

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