Rezension | „Sturmflimmern“ von Moira Frank

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Autorin: Moira Frank / 480 Seiten / Hardcover / Verlag: cbt / erhältlich bei: Bücher.de, mayersche.de

 

Der Plot…

Ein flirrend heißer Sommer in einer amerikanischen Kleinstadt: Die 15-jährige Sofia würde am liebsten einfach nur die großen Ferien genießen, mit ihren Freunden Partys feiern und im Fluss baden gehen. Doch mit ihrer eigensinnigen Art hat sie unbeabsichtigt den Konflikt zwischen ihrem besten Freund Oscar und seinem brutalen älteren Bruder David verschärft. Aus ein bisschen Geplänkel entsteht eine gefährliche Spirale der Gewalt. Dabei fangen mit der Ankunft eines alten Bekannten von Sofias Vater die Probleme gerade erst an …

 

 

Meiner Ansicht nach…

Natürlich hat man als Leser von Jugendbücher schon ein gewisses Bild, wie weit sich Autoren eigentlich „herauslehnen“ dürfen. Für mich hat die noch sehr junge Autorin Moira Frank definitiv ein Zeichen gesetzt, dass in ihrer Geschichte – welche übrigens im übergreifenden All-Age Gebiet angesiedelt ist – schon ein anderer Wind weht. Explizite Gewaltanwendungen stehen in „Sturmflimmern“ sehr stark im Mittelpunkt, was nicht jedermanns Cup of Tea sein wird. Darüber sollte man sich im Klaren sein.
Für mich persönlich war diese Vorwarnung allerdings der Hauptgrund, weshalb ich das Buch lesen wollte. Damit wurde meine Neugierde geweckt. Der Unterschied zwischen Jugendbuch und All-Age wird unter Umständen auf dem deutschen Buchmarkt noch nicht genug hervorgehoben. Franks Erstling ist da ganz sicher nicht in das Jugendbuch-Raster zuzuordnen, und deshalb ein gutes Beispiel für die Unterschiede. Man merkt in „Sturmflimmern“, dass sich im All-Age Freiheiten genommen wurden, sowohl von der Beschreibung einiger Gewaltakte als auch vom sprachlichen Niveau, die im Jugendbuch nicht funktionieren würden.

Bereits der Klappentext lässt vermuten, dass es der Leser bei Moira Franks Debüt nicht mit einer locker flockigen Sommergeschichte zutun haben wird. Die Leseprobe und der düstere Prolog feuern das Gefühl dann auch mächtig an. Der Titel „Sturmflimmern“ steht für ein bedrohliches Gewitter, das sich in einer heißen Kleinstadt Amerikas sehr langsam auflädt, sowohl meteorologisch als auch im Leben des jungen Mädchens Sofia.

Die Hauptfigur ist ein impulsives Mädchen mit ausgeprägtem Freigeist und einer großen Lücke in früher Kindheit. Lernt man sie und ihre ungewöhnliche »Patchwork-Familie« kennen, versteht man recht schnell wieso. Sofia gefiel mir, weil sie nicht einfach muckte nachdem sie wieder einmal verkloppt wurde. Die Familie, woher wir kommen und wer uns prägt, sind sehr präsente Themen in „Sturmflimmern“. So stehen klare Probleme in der Familie auch im Fokus, aber auch Zusammenhalt unter Freunden. Es sind Aspekte, mit denen sich die Autorin persönlich identifizieren kann, was daher ihre Schreibe sehr authentisch werden lässt. Die Figuren sind allesamt recht charakterstark und unheimlich interessant. Es fesselte mich die Charaktere zu begleiten und mit ihnen zu fiebern.

Der Erzählstil ist sehr einnehmend, so manches Mal auch ausufernd, was einem unter Umständen beim Lesen fordert. Aber irgendwie treibt die Autorin den Leser auch immer weiter. Schließlich will man dranbleiben. Und es lohnt sich definitiv. Packend, aufwühlend und schockierend ist dieses Debüt, und absolut nichts für nebenbei.

 

Tacheles…

Die wortgewandte, bedrückende Schreibe der jungen Autorin bildet einen interessanten und gelungenen Kontrast zum ruppigen Handlungsstrang. Es geht nicht zimperlich zu in dieser Erzählung. Gewalt steht im Leben der Protagonistin Sofia leider an der Tagesordnung, was »Sturmflimmern« zu einem eschreckend realistischen und ungewöhnlichen All-Age Titel macht. Die eine oder andere Länge nahm mir manchmal den Drive beim Leser. Meine positive Gesamtmeinung zu Moira Franks Debüt wurde dadurch aber nur ganz minimal beeinträchtigt.

 

 

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