Rezension zu „Weisst du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast?“ von Jess Rothenberg

Kategorie: Rezensionen, Up(to)date | 2 Nestgeflüster

 

Weisst du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast?

Seiten: 368 (Taschenbuch)

Verlag: Hanser Literaturverlage

Sprache: Deutsch

Übersetzer: Ines Klöhn

ISBN: 978-3446240193

 

 

Die Autorin…

Jess Rothenberg, 1983 geboren, studierte Englisch und Soziologie, und arbeitete viele Jahre als Jugendbuchlektorin bei Penguin Razorbill. Nebenher begann sie ein Studium für professionelles Schreiben. Weißt du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast? ist ihr Debüt, das in den USA für großes Aufsehen sorgte und dessen Übersetzungsrechte in alle wichtigen Länder verkauft wurden. Hanser Literaturverlag sicherte sich für die deutsche Veröffentlichung die Rechte. Jess Rothenberg lebt in Brooklyn, New York, und lebt inzwischen vom Schreiben.

 

 

 

Der Plot…

Die lebensfrohe fast 16-jährige Brie ist vernarrt in ihren Freund Jacob. Und er ihn sie. Zumindest dachte sie das immer. Doch ausgerechnet während eines romantischen Dates sagt er ihr plötzlich die vier harten Worte: „Ich liebe dich nicht“. Worte, die einem den Boden unter den Füßen wegziehen können. Oder in Bries Fall, bricht Jacobs Geständnis ihr das Herz. Buchstäblich. So richtig. Ganz ehrlich. Es. Bricht. In zwei Teile. Und so stirbt Brie vor den Augen ihres Freundes. Sie kann das alles nicht begreifen. Auch nicht als sie als Geist bei der eigenen Gedenkfeier den herzzerreißenden Worten ihrer Familie und besten Freundinnen lauscht. Das gibt’s nicht. Sie wacht ganz sicher gleich wieder auf aus einem Traum. Wie dieser Albtraum in dem sie immer wieder während eines Motorradunfalls stirbt. Doch anstelle aufzuwachen, nimmt Brie den Bus…ins Jenseits. Dort trifft sie in einem Dinner auf Patrick. Der coole, gewitzte, mysteriöse Patrick stets mit Pilotenbrille und Lederjacke ausstafiert. Etwas an ihm zieht Brie an. Ihm beichtet sie, dass sie noch eine Rechnung mit ihrem Exfreund offen hat. Patrick ist ganz Ohr und bietet ihr an, sie noch einmal zurück zu bringen um Jacob eine Lektion zu erteilen. Er bietet ihr an, sie durch die fünf Phasen des Trauerns zu begleiten. Doch als sie zurückkehren nach Half Moon Bay, begreift Brie, dass dort einiges im Argen ist. Ihr Exfreund scheint sie schon länger hintergangen und betrogen zu haben. Menschen, denen sie blind vertraut hat, hatten Geheimnisse vor ihr. Ihre Familie scheint an ihrem Tod zu zerbrechen. Diese fünf Phasen durchzustehen, scheint da ein viel längerer Weg. Vor allem für jemanden, dessen Herz sich noch nicht erholt hat.

 

 

 

Meiner Ansicht nach…

Wer von uns kennt das nicht? Herzweh. Haben wir nicht alle schon mal Worte wie, “ Du Schuft, du hast mir das Herz gebrochen! Wieso? Bin ich dir vollkommen schnuppe??“, dem Typen der uns gerade abgesägt hat, an den Kopf ballern wollen oder ihm die Nummer mit seinem nächsten Opfer verderben wollen? Vielleicht hat man es auch wirklich getan. Doch das wurde mit belustigtem Gesicht und einem Schulterzucken quittiert. Autsch!

Wenn die Liebe für ihn vergeht, dann bricht etwas in uns entzwei. Etwas, das wir vergeben haben, ist unwiderruflich weg. Es ist ein emotionales Geschenk. Ein Geschenk welches vom Umtausch ausgeschlossen ist. Man will es auch gar nicht mehr haben, weil es von ihm abgenutzt wurde und es ohnehin zu sehr wehtut. Solange das verschenkte Gefühl geschätzt und gehütet wird, ist auch alles fein. Man sitzt gemeinsam auf flauschigen Wolken, die rosarote Brille immer schön auf der Nase, das warme Gefühl umhüllt das so schwache Herz. So fest, dass es einen überwältigt. Doch wehe es ist vorbei…

In Anbetracht des Geschichtskerns und natürlich des Buchtitels, könnte man von einer gänzlich tragischen Herzschmerz Story ausgehen. Dem ist aber nicht so. Neben dem Contemporary Genre kann „Weisst du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast?“ auch dem Fantasy Genre zugeteilt werden. Die Geschichte beginnt nämlich, nachdem Brie das Herz gebrochen ist (buchstäblich) und sie dem Jenseits entgegen treten muss. Dort trifft sie auf Patrick – ebenfalls tot – der es sich zur Aufgabe macht, dem Mädchen die fünf Phasen des Trauerns näher zu bringen. Das trifft bei Brie lange Zeit auf genervtes Augenrollen und taube Ohren. Zwischen den beiden entsteht eine Chemie, die dem Buch neben dem bitteren und dramatischen, etwas ganz süßes gibt. So amüsierte ich mich während Brie und Patrick sich mit wortgeballten Neckereien duellierten. An Schlagfertigkeit sparen die zwei wirklich nicht. Allein schon die variierenden Käsenamen, mit denen Patrick zu der zierlichen Brie spricht, sind zum schießen und ließen mich herzhaft lachen. Auch Bries bisweilen sehr trockener, naiver Humor – schließlich wird sie erst 16 im Laufe der Geschichte – hat mich umgehauen. Das Mädchen hat Köpfchen, setzt dieses aber vor allem in ihrem Rachefeldzug nicht wirklich ein. Denn obwohl ihr Herz nicht mehr schlägt, fühlt sie noch sehr viel. Und das macht Brie so authentisch.

Patrick macht um sein eigenes ‚Leben‘ ein Geheimnis. Fragen von Brie weicht er gekonnt aus. Dennoch ist diese Figur warmherzig, treu, sensibel und ihm liegt schon sehr früh viel an Bries Wohlergehen.

Auch die Personen in Bries Leben sind so liebevoll umschrieben. Die Eltern von Brie, ihr Bruder und ihre drei besten Freundinnen. Durch Bries Erinnerungen an besondere Momente, die sie in ihrem alten Leben mit ihrem Exfreund, der Familie und ihren Freunden geteilt hat, wuchs mir diese Figur so ans Herz. Mir standen oftmals Tränen in den Augen. Ich verstand, warum Brie nicht loslassen wollte. Was dieses Buch neben den Charakteren zu einem Schatz macht, ist die Musik. Jeder Kapitelbeginn ist detailverliebt mit einer Songzeile dargestellt. Der dazugehörige Song hat eine Bedeutung für Brie und man erfährt in den jeweiligen Kapiteln warum dieser Song – so blöd oder albern er auch sein mag – dem Mädchen so viel bedeutet. So summte ich Melodien von Roxette, Cyndie Lauper, Pat Benatar, Tom Petty, Bon Jovi etc., im Kopf während ich las. Man macht quasi eine wundervoll musikalische Reise durch die 80er bis in das 21. Jahrhundert hinein.

Sicher klingt diese Geschichte etwas vorhersehbar und kitschig, aber Jess Rothenberg schlägt auch Wege für die Figuren ein, die man selbst nicht wirklich in Betracht gezogen hätte. Es sind düstere Wege die Brie nach ihrem Ableben entlang schreiten muss. Wege, die zu den fünf Phasen des Trauern dazu gehören. So bekommt der Leser noch überraschende Plots und Wendungen geboten, welche auch den Fantasy Teil des Buches hervorheben.

 

„Ich ließ den Kopf auf meine Brust sinken, tat einen ängstlichen, einsamen Atemzug und spürte, wie mein Herz –
nein, die Erinnerung an mein Herz – erneut entzweibrach.“
~ Brie, S. 280

 

 

Spieglein Spieglein

Das deutsche Cover unterscheidet sich grundlegend vom Originalcover (Titel: „The Catastrophic History of you and me“). Das Cover zum US-Titel zeigt ein junges Mädchen schwebend, umgeben von Wolken und im Hintergrund die Golden Gate Bridge von San Francisco. Diese Brücke spielt in der Geschichte eine wichtige Rolle. Auf dem deutschen Cover hingegen ist ein kaputter Herzballon zu sehen. Der Ballon fällt im Buch einem Vergleich Bries zum Opfer, der zudem noch recht amüsant ist.

 

 

 

Tacheles…

Jess Rothenberg vereint in ihrem Debüt viele Emotionen. Gefühle mit denen wir uns alle auseinander setzen im Leben. Die Geschichte spiegelt Gefühle wie Liebe, Rache, Enttäuschung, Verzweiflung, Angst, Verwirrung und Vergebung wider. Es geht darum auch über das Leben hinaus noch zu erkennen, was richtig und falsch, was Lüge und Wahrheit ist. Es fiel mir als Beobachter mindestens genauso schwer wie Protagonistin Brie, ihrem Leben und ihren Lieben Lebewohl zu sagen. „Weisst du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast?“ beschreibt den Weg aller zur Selbstfindung. Das Leben für sich, auch wenn es noch so schön war, loszulassen. Ein wirklich wunderbares Debüt mit viel Herz.

 

 

         

 

 

 

Schön, dass ihr Nightingale's Blog besucht. Wenn ihr lest, freue ich mich sehr. Wenn ihr Euch mir mitteilt, noch viel mehr. Spam verschwindet jedoch durch meine Hand und wird von diesem Blog verbannt.

    2 Nestgeflüster zu “Rezension zu „Weisst du eigentlich, dass du mir das Herz gebrochen hast?“ von Jess Rothenberg”

    1. Rishu am 27. August 2012 um 20:54 Uhr

      Hab jetzt nur das Fazit gelesen, aber du hast mich ja eigentlich schon mit deinen Tränchen von dem Buch überzeugt ;-) Ab auf die Wunschliste damit!

    Hinterlasse eine Antwort

    *Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung