[Review mal anders] Angezwitschert – „Der Himmel über Appleton House“ von S.E. Durrant / „Eine Woche für die Ewigkeit“ von D. Levithan & N. LaCour

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Manche Bücher sind schön zu lesen und berühren. Allerdings fehlen einem bisweilen genügend Worte für eine umfassende Rezension. Diese Romane finden in meiner Unterkategorie >[Review mal anders] Angezwitschert…< doch noch ihren Platz.

 

DER HIMMEL ÜBER APPLETON HOUSE | S.E. Durrant | Seiten: 233 | Verlag: Königskinder | Sprache: Deutsch | Meine Wertung: 4*

 

Inhalt…

England im Jahr 1987: Ira und Zac müssen schon wieder umziehen – diesmal von einer Pflegefamilie ins Kinderheim. Es wird der erste Ort, an dem sie glücklich sind. Trotzdem: Ira sehnt sich nach dem Unmöglichen, nach einer richtigen Familie. Mit Mutter und Vater und einer eigenen Haustür. Aber die Geschwister sind nicht mehr klein und sie wollen zusammenbleiben. Keine guten Voraussetzungen. Am Ende finden sie dennoch ein Zuhause: in Martha, in Appleton House und in ihrem Garten. Und wenn der Abschied vom Kinderheim, von den Menschen dort, auch schwerfällt: Sie haben endlich ihr kleines Stück von Himmel gefunden. Für immer

 

Im Großen und Ganzen?!

Die Geschichte beginnt damit, dass die inzwischen Erwachsene Ira darauf hinweist, dass sie die folgenden Geschehnisse durch Tagebucheinträge aus ihrer Kindheit erzählen wird. Der Wechsel in diese Perspektive ist entsprechend kindlich. So versetzte sich die Autorin ganz offensichtlich in ein 10-jähriges Kind, was natürlich auch Auswirkungen auf die Sprache hat.

Als Leser bekam ich so das Gefühl, die Geschichte persönlich von der kleinen Ira erzählt zu bekommen. Obwohl sich der Schreibstil manchmal etwas holprig las, gefiel mir die Idee sehr und man gewöhnt sich auch mit der Zeit daran.
Unaufgeregt, leise, aber nicht minder gefühlvoll bringt Ira den Leser dazu, sich für sie und ihren kleinen Bruder Zac schnell zu erwärmen. So bekommt man ein sehr realistisch wirkendes Bild vom Leben eines Heimkindes. Die Hoffnung auf ein warmes Zuhause und Liebe, das ist alles wonach sich Ira und Zac sehnen. Und doch scheint dieser Wunsch unendlich weit weg.
Ira reist mit dem Leser durch die Jahreszeiten. Lassen uns an ihrem und Zacs Leben und Rückschlägen im Heim teilhaben. Wir fahren mit ihnen aufs Land, wo wir auf die liebenswürdige Martha treffen. Bei ihr im malerisch, idyllischen Appleton House verbringen die Kinder ihren Sommer.

Dieses kleine Büchlein beinhaltet eine Geschichte, die ans Herz geht. S.E. Durrant zeigt auf rührselige und glaubwürdige Weise durch die Perspektive der kleinen 10-jährigen Ira, wie zerbrechlich das Herz und groß die Hoffnungen eines Kindes sind. DER HIMMEL ÜBER APPLETON HOUSE Ein nicht makelloses, aber sehr gefühlvolles Buch.

 

 

EINE WOCHE FÜR DIE EWIGKEIT | David Levithan & Nina LaCour | Seiten: 288 | Verlag: Carlsen | Sprache: Deutsch | Meine Wertung: 3*

 

Inhalt…

Sie kennen sich nur flüchtig, bis sie sich eines Nachts zufällig in einem Club in San Francisco begegnen: Mark, der sich gerade völlig umsonst zum Affen gemacht hat, um seinen besten Freund (in den er hoffnungslos verliebt ist) zu beeindrucken – und Kate, die vor dem Mädchen ihrer Träume weggelaufen ist. Verloren im Chaos ihrer Gefühle beschließen die beiden, Freunde zu werden. Gemeinsam stürzen sie sich ins kunterbunte Getümmel der Pride Week und lernen zwischen wilden Partys und Liebeskummer, was wahre Freundschaft bedeutet.

 

Im Großen und Ganzen?!

Den Ansatz des Buches mag ich wirklich und weiß es sehr zu schätzen, dass LaCour und Levithan für ihr gemeinsame Projekt das Thema LGBT aufgenommen haben. An der Umsetzung hatte ich allerdings etwas zu knabbern. So fühlte sich die Geschichte bisweilen fast zu überladen für die schmale Buchlänge an. Die Handlung spielt in nur einer Woche, der Pride Week in San Francisco. Das ist natürlich ein wichtiger Aspekt, aber dennoch las es sich etwas gehetzt. Auch die Freundschaft wirkte auf mich zunächst zu unglaubwürdig, weil sie bei null beginnt und im nächsten Moment buchstäblich auf ‚Soulmate‘-Status gesetzt ist.

Mit Marks Figur fühlte ich ich mich auf jeden Fall emotional etwas verbundener. Seine Perspektive wurde von David Levithan geschrieben, während die von Kate von Nina LaCour übernommen wurde. Levithan weiß auf wunderschöne Weise, sich mit Worte auszudrücken. Er verleiht Mark dadurch eine gewisse Verletzlichkeit sowie Rauheit, und lässt ihn unglaublich real erscheinen. Das fehlte mir bei LaCour. Ich fühlte so viel mehr für Mark, als für Kate. Zu ihr und den überirdischen Gefühlen für ein Mädchen, dass sie nur von Fotos und Erzählungen kennt, hatte ich eine größere Distanz. Die Freundschaft von Kate und Mark las sich für mich in der ersten Hälfte eher zweckmäßig. Doch nachdem ein Blick auf die jeweiligen Freunde von Kate und Mark geworfen wurde, verstand ich besser weshalb sie sich anzogen.

In Gänze las sich für mich die zweite Hälfte des Buches harmonischer. Es fügte sich Schritt für Schritt zusammen. Die Message von EINE WOCHE FÜR DIE EWIGKEIT gefällt mir. Die Beschreibungen zur LGBT-Community und das bunte Treiben der Pride Week in San Franscisco, fühlten sich sehr authentisch an.

 

 

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