Rezension | „Die Verlobten des Winters – Die Spiegelreisende #1“ von Christelle Dabos

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Autorin: Christelle Dabos / 535 Seiten / Übersetzung: Amelie Thoma / Hardcover / Verlag: Insel / erhältlich bei: Bücher.demayersche.de

Der Plot…

Ophelia wirkt äußerlich mit ihrer dicken Brille, den unförmigen Kleidern und ihrer leisen Stimme sehr unscheinbar. Doch in der jungen Frau steckt ein scharfer Verstand und die Fähigkeit Gegenstände zu lesen und durch Spiegel zu reisen. Auf der Arche Anima lebt sie inmitten ihrer riesigen Familie und kümmert sich hingebungsvoll um das Archiv. Bis ihr eines Tages verkündet wird, dass sie auf die weit entfernte Arche des Pols weggeschickt werden soll um dort den Adligen Thorn zu ehelichen. Ophelia, die sich bis dato vor einer Vermählung mit einem Mann drücken konnte, ist am Boden zerstört. Um ihre Familie nicht komplett zu entehren, muss sie nämlich dieses Mal gehorchen. Aber was hat es mit der Verlobung wirklich auf sich? Warum wurde ausgerechnet sie, das zurückhaltende Mädchen, auserkoren? Und wer ist der Mann, dem sie von nun an folgen soll? Ophelia ahnt nicht, welche tödlichen Intrigen sie auf ihrer Reise erwarten, und macht sich auf den Weg in ihr neues, eisiges Zuhause.

 

Mein Resumé…

Der Auftakt der Spiegelreisende-Saga spielt in einer Welt, die vor vielen Hunderten von Jahren zerschlagen wurde. Seither leben die Menschen auf im Himmel schwebenden riesigen Archen. Diese Archen sind über den gesamten Globus verteilt und unterscheiden sich grundsätzlich voneinander. Der Fokus im ersten Buch liegt auf den Archen »Anima« und »Pol« – ob man als Leser in den Folgebänden noch andere besuchen wird, ist mir unklar. Aber es gibt auch so genug zu ergründen.

»Anima« ist Ophelias bisherige Heimat gewesen. Die Arche ist grün, lebendig, offen und familiär. Jeder kennt dort jeden. Es herrscht ein sehr friedliches Miteinander. Wogegen »Pol« – die Heimat von Ophelias neuem Verlobten Thorn – kalt, dunkel, aus politischen Intrigen, sozialer Hierarchie, kriegslustigen Clans, sozialen Skandalen und Illusionen besteht. Keine besonders einladende Welt, doch Ophelia hat leider keine andere Wahl. Dort angekommen, wird sie versteckt, denn schon jetzt schwebt sie wegen ihres überall angefeindeten Verlobten in Lebensgefahr.

Ich habe mich sofort in den Weltenbau und die erschaffene Magie der Autorin verliebt.
Jede Familie besitzt seine eigene Magie, die weiter vererbt wird. So gibt es Familien von Illusionisten, Animisten und solche, die anderen Schmerzen zufügen können. Es war faszinierend, die verschiedenen Fähigkeiten der jeweiligen Clans kennenzulernen und die auf dem »Pol« stattfindenden Intrigen aufzudecken. In diesem Buch schwebt man, genau wie Ophelia, im Ungewissen wem man vertrauen sollte. Jeder hat Geheimnisse und versteckte Motive.

Neben dem Weltenbau, ist der zweite Trumpf in Christelle Dabos Ärmel, eindeutig die Figurenzeichnung. Alle Figuren sind unheimlich komplex und interessant geformt.

Ophelia, die Hauptfigur, ist belesen und still. Ihr sehnt Euch wieder nach einer  Schwerter schwingenden Protagonisin? Das könnt ihr bei Ophelia vergessen. Von außen unscheinbar und leise, rattern ihre Gedanken jedoch laut und unablässig. Sie ist vielleicht nicht tough, aber dumm sicher auch nicht. Ophelia besitzt die tolle Gabe einer Leserin und lässt sich nicht so leicht verschaukeln. Sie liebt ihre Wurzeln und ihre Unabhängigkeit, und möchte sich nicht von einem Mann ihr Leben diktieren lassen. Zwei Mal hat sie deshalb bereits Aufwartungen von Männern ausgeschlagen und damit ihre Familie furchtbar verärgert. Daher fühlte ich sehr mit Ophelia, als sie keinen Ausweg aus der Zwangsverlobung mehr sah.

Thorn, ihr Verlobter und adliger Bastard von der Arche »Pol«, könnte nicht anders sein. Eiskalt und vollkommen frei von jeder Zuneigung, steht außer Frage, dass auch für ihn die Verlobung kein Zuckerschlecken ist. Und obwohl ich anfangs dachte, schon eine Meinung von ihm zu haben, so wurde ich überrascht. Thorn ist wirklich eine vielschichtige und interessante Figur.

Es gibt noch unzählige andere Figuren, die den Leser bei Laune halten. Da wäre z. B. Ophelias Patentante Roseline, die sich auf ihre eigene Art für das Wohl ihrer Patin einsetzt, Thorns undurchsichtig etwas grausame Tante Berenilde und Reineke der gegen kleine Gegenleistungen Ophelia den Mondscheinpalast näher bringt.

Diese Geschichte hat einen sehr atmosphärischen Ton. Die Schreibe wirkt durch etwas altmodischere Formulierungen, buchstäblich wie aus einer anderen Zeit entsprungen. Man wird wahrlich in eine Welt fern unserer transportiert. Allerdings hatte ich bisweilen an ein paar Längen zu knabbern. Das nahm mir manchmal den drive beim Lesen.

Nichtsdestotrotz lohnt es sich unheimlich, in diesen Serienauftakt zu tauchen. Zum Ende bekommt die Geschichte nämlich nochmal richtig Fahrt. Daher freue ich mich unheimlich auf die bereits im Sommer erscheinende Fortsetzung „Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast“.

 

Tacheles…

Der Auftakt DIE VERLOBTEN DES WINTERS bietet Fantasy Freunden eine neue, packende Idee. Christelle Dabos wartet mit einem sehr grandiosen Weltenbau, atmosphärischer Magie und fesselnden, vielschichtigen Charakteren auf. Zwischenzeitlich dümpelte die Handlung etwas, wurde dann jedoch von einem überaus spannenden Ende des ersten Teils abgelöst. Diese Reihe verspricht viel Potenzial! Ich bin schon gespannt auf ein baldiges Wiedersehen mit den Figuren.

 

Und so geht es weiter…

Band 2 – Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast: August 2019
Band 3 – Das Gedächtnis von Babel: November 2019

Band 4: Sommer 2020

Website: Die Spiegelreisende.de

 


*Rezensionsexemplar – Dieses Buch wurde mir vom Verlag gegen den Austausch einer unabhängigen Beurteilung zugesandt. Für dieses Vertrauen bedanke ich mich sehr. Die Rezension spiegelt meine freie Meinung wieder.
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