[Review mal anders] „Winger“ von Andrew Smith

Kategorie: Review mal anders, Rezensionen, Up(to)date | 13 Nestgeflüster

 

Winger_Smith


Winger / 
Autor: Andrew Smith / Seiten: 439 (Hardcover) / Verlag: Simon & Schuster /Sprache: Englisch

 

 

Der Plot…

Der 14-jährige Ryan Dean West geht auf ein Internat für reiche Kids. Dank seines Humors, Rugby Freunden, seiner Vorliebe für Comic Kritzeleien und seiner besten Freundin Annie Altman – in die er unheimlich verschossen ist – schafft der Junge das harte Internatsleben irgendwie zu bewältigen. Nachdem er das 10. Schuljahr bei einem Schulstreich aufgeflogen ist, muss er zur Strafe das 11. Jahr in der sogenannten O-Hall (Opportunity Hall) verbringen. Dort landen, fernab der komfortablen Wohnheime, die Störenfriede. Ryan Deans Vorsatz das neue Schuljahr unbemerkt und vorbildlich hinter sich zu bringen, gerät ins Wanken, als er auf seinen neuen Mitbwohner trifft.  Chas fürchtet er am meisten. Und das nicht umsonst, denn dieser Typ bringt ihn dauernd in brenzlige Situationen. Während Ryan Dean sich immer wieder kurz vorm Rausschmiss vom Internat befindet, entdeckt er zwischen all dem Chaos wer seine wahren Freunde sind und was Liebe wirklich bedeutet. Doch gerade als sich alles zusammen zu fügen scheint, geschieht das Unfassbare.

 

 

Gedankensalat, Gefühlschaos und Quotes…

Es gibt Bücher die so intensiv und voller Leben sind, dass man als Leser überhaupt nicht weiß, wo man mit sich und seinen Gedanken hin soll.  „Winger“ von Andrew Smith hat total viel Gedankensalat und Gefühlschaos in mir ausgelöst. Selbst jetzt hänge ich gedanklich noch im Buch.

Dabei schien der Plot doch so einfach.Winger_engl. Armer reicher Junge bringt sich auf einem gemischten Internat permanent in Schwierigkeiten und ist obendrauf noch in seine beste Freundin (‚hot‘) Annie Altman verknallt. Doch abgesehen davon, dass alle Mädels/Frauen – sogar die mit Schnurbart – für den hormongesteuerten, schrulligen 14-jährigen Wunderknaben ‚hot‘ sind, ist „Winger“ alles andere als eine normale Contemporary Geschichte.

Autor Andrew Smith knöpft sich Ryan Dean mächtig vor. Zu Beginn dachte ich noch, diesen Jungen werde ich bemitleiden und umarmen wollen. Doch um es mal ganz klar zu sagen: ich wollte „asswipe“ Ryan Dean oftmals gerne in seinen knochigen Hintern treten und konnte den Ärger der Anderen auf ihn manches Mal verstehen. Denn Ryan Dean ist kein Unschuldslamm. Er stößt seine Mitmenschen vor den Kopf, bringt sich selbst sehr oft in unangenehme Situationen. Aber der Junge hat einen gewissen Charm und eine äußerliche Unschuld, bei der man verzeiht und ihn halt doch irgendwie versteht.

 

„You know, nothing ever goes back exactly the way it was. Things just expand and contract. Like the universe, like breathing. But you’ll never fill your lungs up with the same air twice. Sometimes, it would be cool if you could pause and rewind and do over. But I think anyone would get tired of that after one or two times.“

 

Der Erzählstil ist ruppig, schonungslos und respektlos. Man sollte sich in Erinnerung rufen, wie manche Teenager miteinander reden. Das Buch samt seiner Charaktere brüllt einem auf jeder Seite „Pubertät“ entgegen, was ungeheuer authentisch ist. Die Pubertät – das weiß selbst ich noch – ist grausam, verwirrend und ein einziges Schlachtfeld der Gefühle.

Die Buchlänge ist beachtlich. Mir wurde zwar nie langweilig,  aber ich hatte schon das Gefühl, dass Andrew Smith es nicht hätte so sehr ausweiten müssen. Die Illustrationen machen das jedoch wieder wett und bringen Abwechslung rein.

Presse- und Leserstimmen auf dem hinteren Buchteil sind sehr emotional und ließen bei mir den Eindruck entstehen, dass „Winger“ eine Herzschmerz-Geschichte ist. Dem ist aber nicht so. Die Dialoge schüttelten mich durch vor Lachen und ein Großteil des Buches war vollgepackt mit fiesen Streichen, Flirtereien und Prügeleien. Doch Andrew Smith nahm auch das Thema Homosexualität auf. Ganz phänomenal fand ich, mit welcher Selbstverständlichkeit er dieses (leider!) schwierige Thema aufgegriffen hat.

Doch zurück zum (Herz)Schmerz: der kommt dann doch. Den sparte sich der Autor bis zum Schluß auf. Es ist ein Schmerz der tiefer geht, als ich es mir hätte vorstellen können. Bereits einige Kapitel zuvor hatte ich ein schlechtes Gefühl in der Magengegend bekommen. Eine üble Vorahnung überkam mich und ich wollte zum Schluß gar nicht mehr weiterlesen. Mich verband viel mit verschiedenen Charakteren. Ich fühlte mit ihnen und verstand sie. Von daher zerrissen mich die letzten Seiten fast.

 

“And then it’s always that one word that makes you so different and puts you outside the overlap of everyone else; and that word is so fucking big and loud, it’s the only thing anyone ever hears when your name is spoken.

And whenever that happens to us, all the other words that make us the same disappear in it’s shadow.” 

 

Comic show…

Protagonist Ryan Dean West liebt Comics und zeichnet sie selbst unheimlich gern. Sam Bosma, Illustrator der Comic Strips und diverser >Brain Charts<, hat dadurch „Winger“ noch authentischer gemacht. Ich hatte unheimlich viel Spaß dabei, mir diese anzuschauen.

 

Winger_collage

 

Tacheles…

Mit „Winger“ überschreitet der mutige Andrew Smith unsichtbare Grenzen und machte mit dieser Coming-of-Age Geschichte und seinem Protagonisten etwas beispielloses. Der Autor gibt der Welt um ‚Loser‘ Ryan Dean West einen kraftvollen, witzigen, süßen, teils abstoßenden, rauen und auch herzzerreißenden Touch. Nicht nur für die Zielgruppe lesenswert.

 

 

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    13 Nestgeflüster zu “[Review mal anders] „Winger“ von Andrew Smith”

    1. Nanni am 13. September 2017 um 19:23 Uhr

      hey,
      den herzschmerz hatte ich auch. kann absolut nachempfinden, was du schreibst. smith hat mich richtig durcheinander gewirbelt. ich war fertig mit der welt. das hätte ich nicht erwartet und es hat mich unfassbar traurig gemacht.
      liebe grüße,
      nanni

      • Sandy am 14. September 2017 um 09:02 Uhr

        Huch, habe ich doch richtig gesehen. Die Besprechung ist ja schon etwas älter. 😀
        Aber es freut mich, dass meine Eindrücken sich mit deinen gleichen. Ein ungewöhnliches Buch voller Unperfektheiten und doch sehr aufwühlend. Anja erging es ja ganz ähnlich. Da sollte ich mir Stand-Off, die Fortsetzung, nochmal näher ansehen.

        Liebe Grüße

    2. Captain Cow am 9. Januar 2014 um 20:33 Uhr

      Um dieses Buch kommt man ja auch irgendwie nicht mehr herum, habe ich das Gefühl. Aber Illustrationen, Internat und Contemporary sind für mich schon drei Stichwörter, bei denen ich dem Buch auch gar nicht mehr ausweichen will x) Ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis ich das auch mal lese 😀

      • Sandy am 9. Januar 2014 um 21:48 Uhr

        Ich hoffe wirklich, dass du es lesen wirst. Würde mich richtig interessieren, was du von hälst.
        Das Buch fällt halt durch seinen Protagonisten und dem groben Jargón schon aus der Norm. Das gefiel mir. Und mir gefiel irgendwann immer mehr, dass ich nicht immer mit Ryan Deans Art klar gekommen bin.

    3. Jueli am 9. Januar 2014 um 19:23 Uhr

      Die Rezi ist ja einfach mal geil. 😀 Wenn man das mal so sagen darf. Ich hatte schon lange nicht mehr so stark den Drang, ein Buch wirklich auf der Stelle zu kaufen, nachdem ich eine Rezi gelesen habe! Ich hab das Buch schon bei der ein oder anderen Freundin im Schrank stehen gesehen, aber habe nie wirklich danach gegriffen. Jetzt erscheint mir das irgendwie dumm und ich frage mich, warum ich nicht schon eher darauf gestoßen wurde. xD
      Alles Liebe
      Jueli

      • Sandy am 9. Januar 2014 um 21:44 Uhr

        Wow, danke Jueli! Dein Kommentar hat mir eben fast die Puschen ausgezogen. 😀
        Also, wenn du das Buch bei Freunden schon gesehen hast, dann kann es dir sicher eine(r) leihen.

    4. Anja am 9. Januar 2014 um 19:20 Uhr

      Mir gehts wie Lena. Ich werde es auch lesen müssen, weil es so toll klingt. UND weil ich natürlich furchtbar neugierig auf dieses Ende bin.

    5. Ric am 9. Januar 2014 um 18:29 Uhr

      allein, wenn ich das so durchlese kommen mir schon wieder die Tränen wegen dem Ende…und gelesen hab ich das letzten Sommer, also schon eine Zeit her. Einfach ein unglaublich tolles Buch! Ich hätte nie gedacht, dass es mir so gut gefallen würde. Werd mir das auch definitiv noch fürs Regal holen, weil ich das sicherlich immer und immer wieder lesen möchte <3

      • Sandy am 9. Januar 2014 um 21:41 Uhr

        Ach, du hattest das ebook gelesen? Ja, dann MUSST du wirklich das richtige Format noch haben. 😉
        Oh ja, das Ende macht total fertig. Da ist die Stimmung richtig umgeschwungen.

        • Ric am 10. Januar 2014 um 20:30 Uhr

          nee ich hatte es damals von Crini ausgeliehen 😀 noch schlimmer, habe es als GAR nicht da XD haha

    6. Lena am 8. Januar 2014 um 20:40 Uhr

      Ok, das Buch muss ich wohl haben *-* Das klingt wirklich fabelhaft!

      Böse Sandy *aufdieFingerhau*, du hast mich in diesem Monat schon zu genug Bucheinkäufen animiert 😉

      • Sandy am 8. Januar 2014 um 20:51 Uhr

        Gut, schlag mich halt. 😀 Das Buch wäre wirklich WIRKLICH dein Fall. Schon allein vom pädogischen Standpunkt (denn Schauplatz ist ja das Internat). Und du MUSST es als Druckversion kaufen, weil ein ebook würde ich dir bei der Gestaltung nicht verzeihen.

        • Lena am 9. Januar 2014 um 09:24 Uhr

          Gut, das Buch landet dann auf jeden Fall auf meinem Geburtstagswunschzettel! Vorher ist leider kein Buchkauf mehr drin 😉

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