Rezension zu „An Abundance of Katherines“ von John Green

Kategorie: Rezensionen, Up(to)date | 4 Nestgeflüster

 

An Abundance of Katherines

Autor: John Green

Seiten: 256 (gebundene Ausgabe)

Verlag: Dutton Juvenile

Sprache: Englisch

ISBN: 978-0525476887

 

 

Der Autor…

John Green wurde 1977 in Indianapolis geboren. Er ist Autor von Jugendbüchern und betreibt erfolgreich mit seinem Bruder Hank den YT-Kanal Vlogbrothers. Bereits Johns erstes Buch, „Eine wie Alaska“ (OT: „Looking for Alaska“) gewann den Michael L. Printz Award. Es folgten weitere Bücher wie  “Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)” (OT: An Abundance of Katherines) und “Margos Spuren” (OT: Paper Towns), die vor allem in seiner Heimat große Erfolge einheimsten. Bis heute hat John Green insgesamt 6 Bücher veröffentlicht. Seine Arbeiten wurden in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt.

 

 

Der Plot…

Colin Singleton war schon immer anders, als die Kids in seiner Umgebung. Ein Wunderkind, ein Genie dem sicher eine glorreiche Zukunft bevorstehen könnte. Was Mädchen angeht, hat der 18-jährige Wunderknabe jedoch niemals wirklich Köpfchen bewiesen. Nein, bereits seit Kindergarten Tagen ging da die Logik verloren. Warum auch sollte sich ein Typ nur für Mädchen interessieren, die den Namen Katherine tragen? Man weiß es nicht. Noch nicht mal Colin scheint sich einen Reim darauf machen zu können. Seine letzte Katherine hat ihn gerade abgesägt, genau wie alle 18 Katherines zuvor. Doch Colin meint, dieses Mal ist ganz anders. Dieses Mal ist es hart. Er schließt sich in seinem Zimmer ein und zerfließt in Selbstmitleid. Das Elend ist für seinen plumpen Kumpel Hassan nicht wirklich etwas Neues. So beschließt er kurzerhand, mit Colin einen Roadtrip zu machen. Zwei Typen, ein Auto und die unendlich weiten Straßen Amerikas vor ihnen. Die Fahrt endet vorläufig in einem verschlafenen Nest namens Gutshot im Bundesstaat Tennessee. Dort winken den Jungs nicht nur die Begegnung mit der süßen Lindsey Lee Wells, neue Jobs und viele Geschichten der Gutshoter. Colin beschließt anhand der hohen angewandten Mathematik, eine Formel zu finden welche die Langlebigkeit von Beziehungen ermitteln kann. Dabei gewährt er amüsante und traurige Einblicke in seiner von Katherines geprägten Vergangenheit.

 

 

Meiner Ansicht nach…

Was hatte ich mir vom meinem dritten Green’chen Erlebnis versprochen? Charaktere die mir wieder ans Herz gehen natürlich, eingebettet in einem tiefgründigen Plot, ein gewisses Maß an Cleverness gespickt mit dem unverkennbaren Witz und einem Hauch Melancholie.

Autor John Green haucht den Charakteren in seinen Geschichten viel Leben ein. Nicht jeder Autor hat das Talent, seine Buchfiguren so authentisch darzustellen. Dabei macht sich Green es sicherlich nicht einfach, indem er sich voller Elan verschrobenen, merkwürdigen Außenseitern oder Krebskranken Kids annimmt.

In „An Abundance of Katherines„ erlebt der Leser, wie ein Genie zu einem verzweifelten, an sich zweifelnden, liebeskranken Trottel mutiert der sein komplettes Dasein in Frage stellt.

 

„If people could see me the way I see myself – if they could live in my memories –
would anyone love me?“
 
~ Colin

 

Okay, ein Trottel ist Colin Singleton vermutlich schon vorher gewesen. Das kann man allein schon auf seine Vorliebe für Mädchen, die den Namen Katherine tragen, zurückführen. Er war nie mit einem Mädchen zusammen, dass anders hieß. Colin glaubt außerdem, dass seine besten Jahre bereits hinter ihm liegen. Ob viele 18-jährige so denken, mag ich zu bezweifeln. Bis auf Kumpel Hassan und seinen Eltern, hält es kaum jemand länger mit ihm aus. Bester Beweis dafür ist Katherine Numero 19, die ihn gerade abgesägt hat. Colin glaubt, dass es nicht nur sein Schicksal ist, immer der „Verlassene“ (Dumpee) zu sein. Er glaubt, dies sogar mathematisch anhand von Thesen und Anagramen beweisen zu können. Und weil sein Wissen alles ist was er hat, will er beweisen, dass er zu etwas besonderem bestimmt ist. Wie er das wirklich anstellen soll, weiß er zunächst nicht wirklich.

Manchmal hatte ich bei Colin einfach nur das Verlangen, ihm eine Kopfnuss zu verpassen. Frustrierend analytisch und ein absoluter Klugscheißer. Da war ich schon verwundert, wie ein solcher Kautz in so jungen Jahren bereits 19 Freundinnen an Land ziehen konnte. Auch sein Kumpel Hassan kapiert es nicht. Wie macht der Kerl das nur? Okay, geblieben ist letztendlich keine. Anhand von kleinen Rückblenden als Anekdötchen verpackt, erfährt man wie Colin Katherine Nr. 1 bis 19 traf und was jede einzelne Begegnung für ihn so besonders machte. Diese kleinen Erzählungen machten Colin dann für mich zu einem jungen Mann, der trotz seines hohen Wissens, auf der Suche nach etwas >echtem< und dem >warum< ist. Verständlich, denn es gibt nicht wenige – egal wie hoch/niedrig der IQ sein mag – in diesem Alter, die in Bezug auf ihre Zukunft die große Flatter kriegen.

 

„…you can never love someone as much as you miss them.“ ~ Colin

 

Zweite Figur in dieser Geschichte ist Hassan. Hassan ist das genaue Gegenteil vom schlaksigen Colin. Zwar ist er durchaus intelligent, hat jedoch kein Verlangen nach großem Streben. Hassan will einfach nur, dass sein Freund endlich aufhört zu jammern und Spaß am Leben hat. Er wuchs mir mit seiner zynischen Art und dem losen Mundwerk sofort ans Herz. Seit seinem High School Abschluss vor einem Jahr dümpelt der Libanese vor sich her. Colins schlechter Zustand jedoch, veranlasst den schroffen Hassan dazu, etwas zu unternehmen. So verfrachtet er Colin ins Auto und gurkt mit ihm bis nach Tennessee.

„Dude, you’re such a Geek. And that’s coming from an overweight Star Trek Fan
who scored a 5 on the AP Calculus test…” 
~
Hassan

 

Die Dritte im Bunde ist das Mädchen Lindsey Lee Wells. Sie lebt in Gutshot/Tennessee und begegnet Colin und Hassan erstmals während einer Führung zum ‚Gedenkstein‘ des Großherzogs Franz Ferdinand. Lindsey ist recht unscheinbar, hat aber gleichzeitig etwas an sich was nicht nur Colin berührt. Zwischen den beiden entsteht eine Chemie. Eine Kraft, welche zumindest der Leser früh greifen kann.

Dieses Buch war nicht immer so leicht für mich zu lesen. Eine große Hilfe, wenn Colin viel zu kompliziert und weit ausschweifend erzählte, waren da die recht knackig und witzig formulierten Fußnoten. Eine wirklich klasse Idee vom Autor.

 

 Lieblingswort…
Sitzpinkler (originalgetreu im OT nachzulesen. Ich hoffe, es wurde nicht anders übersetzt.)

 

 

Tacheles…

„An Abundance of Katherines“ unterscheidet sich meiner Meinung nach von den anderen Büchern Greens. Diese Geschichte ist weniger emotional aufwühlend, was man sicher dem eher mathematischen Verstand des Protagonisten verdanken kann. Ein weniger emotional geladener Plot bedeutet dennoch nicht, dass dieser Green schwächer ist. Zwischen all den Formeln, Analysen und Thesen entdeckte ich Figuren mit viel Herz und schnoddrig witzigen Dialogen. Wer einer besonderen Art von Humor und vor Sarkasmus triefenden, geistreichen Gesprächen nicht abgeneigt ist, wird an „An Abundance of Katherines“ seine Freude haben.

 

 

   

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    4 Nestgeflüster zu “Rezension zu „An Abundance of Katherines“ von John Green”

    1. PiMi am 29. September 2012 um 14:11 Uhr

      Ich habe das Buch vorgestern bestestellt und heute in der Post gehabt (allerdings auf deutsch). Ich feue mich schon riesig darauf es zu lesen.
      „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ und auch „Eine wie Alaska“ gehören zu den absoluten Highlights in meinem Lesejahr 2012.
      Das dieses Buch nicht so emotional sein soll wie die anderen finde ich nicht so schlimm, ich weiß nämlich nicht ob ich noch mehr Gefühlschaos ertragen kann.
      Ich fühl mich nämlich immer wenn ich einen Green beendet habe sehr meloncholisch :-)

      • Sandy am 29. September 2012 um 23:03 Uhr

        Ja, da hast du Recht. Ein Green kann schon ganz schön umhauen.
        Dieser ist mal etwas anders und wenn man dem Geek-Faktor nicht abgeneigt ist (hier sehr ausgeprägt), wird es sehr mögen. Bin mal gespannt, was du drüber denkst. „Eine wie Alaska“ habe ich noch nicht gelesen. Da werde ich mir wohl auch die engl. Ausgabe zulegen.

        • PiMi am 29. September 2012 um 23:36 Uhr

          Eine wie Alaska hat mich total mitgenommen. Green schafft es, dass man ihn hasst und liebt zugleich. Mir wird immer noch ganz schwer ums Herz wenn ich an das Buch denke. Musst du unbedingt ganz schnell lesen!

    2. Joana am 24. September 2012 um 20:23 Uhr

      Ich fand das Buch großartig und hab mich beim „Sitzpinkler“ jedes Mal wegschmeissen müssen. Ein ganz anderes Buch und Leseerlebnis mit Green und herrlich geekig!

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