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Rezension | „Was ist schon normal?“ (Spinster Girls 01) von Holly Bourne

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Autorin: Holly Bourne / 416 Seiten / Taschenbuch / Verlag: DTV / OT: Am I normal yet? / erhältlich bei: Bücher.demayersche.de

 

Der Plot…

Alles, was Evie sich wünscht, ist normal zu sein. Nach einer langen Talfahrt ist sie auf dem besten Weg, denn immerhin geht sie wieder zur Schule, auf ihre ersten Partys und hat sogar ein Date. Letzteres entpuppt sich zwar als absolutes Desaster, dafür aber lernt sie dadurch Amber und Lottie kennen, mit denen sie den Spinster Club gründet. Doch schafft sie es auch, mit ihren neuen Freundinnen über ihre Krankheit zu sprechen?

Wir sind stark,
wir lassen uns nichts sagen und küssen trotzdem.
Wir sind die Spinster Girls!

 

Mein Resumé…

In WAS IST SCHON NORMAL?, dem Auftakt der »Spinster Girls« Trilogie, werden sehr wichtige Themen wie Psychische Störung, Feminismus, Sexualität, Freundschaft und Liebe aufgegriffen. Eine knackige Mischung, so viel ist klar. Evie leidet  an einer faustdicken Zwangsstörung, die sich in Form von Angst vor Keimen und Unsauberkeit äußert. Sie hat drei Jahre lang mit ihrer Krankheit abgeschottet von der Außenwelt gelebt. Zur schlimmsten Zeit konnte sie nicht mal mehr ihr Zimmer verlassen, ohne eine Panikattacke zu bekommen. Ihre Tage und Wochen wurden dominiert von Krankenhausaufenthalten, Therapiestunden und Medikamenten. Auch ihre Eltern und ihre kleine Schwester hatten darunter zu kämpfen.

Aber Evie hat sich wieder hochgerappelt und ist hoffnungsvoll und motiviert. Ihre Medikamentendosis ist mittlerweile stark gesenkt, die Therapie schlägt gut an und sie kann sich endlich auf das College freuen. Ihr großer Wunsch endlich wie eine normale Sechzehnjährige zu sein, gibt ihr Kraft.

Evie selbst hat eine äußerst lebhafte Stimme, was mir ganz besonders gut gefiel. Sie ist ehrlich, gewitzt, schlau, frech und liebenswert. Ich liebte es, mich in ihrer Welt zu bewegen, selbst als es herzzerreißend und verstörend wurde. Ich sah Evie zu keinem Zeitpunkt als die Summe ihrer Krankheit, obwohl diese ihr Leben zweifellos stark in Beschlag nimmt. Ein Aspekt, auf den ich ganz besonders geachtet habe. Das Holly Bourne diese Kurve sogar spielend gemeistert hat, gab dem Buch viel Glaubwürdigkeit. Sie scheute sich nicht vor dem Schmerz, der Wut, der Verzweiflung und den einfachen Freuden von Evies Leben. Eine ebenfalls sehr gelungene Idee sind die Gedankentagebücher von Evie.

Frauenbilder und Feminismus sind ein weiteres großes Thema in WAS IST SCHON NORMAL? Und das bringt mich auf die dynamische Freundschaft, welche zwischen Evie, Amber und Lottie entfacht. Diese drei Mädels können alles zusammen erreichen. Sie unterstützen sich gegenseitig, zeigen wahres Interesse und echte Zuneigung für den jeweils anderen. Sie passen aufeinander auf. Und das ging mir sehr nahe. Vor allem nachdem Evie sich von ihrer bisher einzigen Freundin Jane distanziert hat. Neben Evie war für mich Amber eine Figur, die ich sofort ins Herz schloss. Aber auch Lottie ist ein interessantes Mädel. Alle drei haben ihre ganz eigenen Päckchen zu tragen.

 

 

Evie, Amber und Lottie wollen sich nicht mehr durch Jungs verbiegen lassen und schließen sich zum »Spinster Girls Club« zusammen. Bei ihren Club-Treffen tauschen sie sich über den Bechdel-Test aus, diskutieren über unfaire Geschlechterrollen und mit welcher Form von Sexismus sie täglich umgehen müssen. Sie ermutigen einander, sich nicht von ihren Gefühlen zu debilen Entscheidungen hinreißen zu lassen…und scheitern so manches Mal kläglich.

Jungs sind immer wieder DAS Thema, zumindest für Evie und Lottie. Vor allem Evies Verschleiß ist sagenhaft. Irgendwann definiert sie ihr „Normalsein“ nur noch über eine funktionierende Beziehung. Damit eckte ich sehr an. Dieser Weg gefiel mir gar nicht. Allerdings könnte diese Denkweise auch von Holly Bourne für die folgende Handlungsentwicklung genutzt worden sein. Grundsätzlich kommt die Geschichte nicht ohne ein paar typische Jugendbuch-Klischees aus. Das kann man natürlich nicht ändern [weil es ein Jugendbuch ist]. Die Message hingegen ist besonders und lässt den Buchtitel aus der Masse hervorstechen.

In der Fortsetzung WAS IST SCHON TYPISCH MÄDCHEN? setze ich auf noch mehr Frauenpower und Feminismus. Und natürlich möchte ich unheimlich gerne Amber und Lottie näher kennenlernen.

 

Tacheles…

Ein Teenager bin ich längst nicht mehr, empfinde den Spinster Girls-Auftakt aber dennoch als sehr lesenswert und vor allem als wichtig. Tatsächlich wünschte ich, dass es diese Form von Jugendbuch schon zu meiner Zeit gegeben hätte. Holly Bourne hat mit Evie eine witzige, warmherzige und starke Figur gezeichnet. Die Diskussionen im Spinster Club erinnern daran, wie wichtig die Beziehungen von Frauen untereinander sein sollten. Zusammen rocken wir. Lasst uns stark, unabhängig und Frau sein! Und vergesst nicht: Niemand ist »normal«.

 

*Leseexemplar – Dieses Buch wurde mir ohne Anfrage vom Verlag zugesandt. Die Rezension spiegelt meine freie Meinung wieder.

 

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Eine weitere Meinung zum Buch:

Kill Monotony

 

Weitere Bücher mit dem Thema Zwangsstörung:

TURTLES ALL THE WAY DOWN

DANIEL IS DIFFERENT

 

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