Rezension | „Hier und jetzt“ von Autumn Doughton

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Hier und jetzt_Doughton



Autorin: Autumn Doughton / 320 Seiten / Taschenbuch / Maibook Verlag / auch erhältlich bei: Amazon.de / OT: In This Moment

 

 

Die Autorin…

Autumn Doughton wohnt zusammen mit ihrem Ehemann, ihren zwei Töchtern und zahlreichen Haustieren in Gainesville, Florida. Dort schreibt sie Bücher, die Spaß machen. Bücher für dich, deine beste Freundin, deinen Frisör und deinen Lieblingsbarista, wie sie es selbst ausdrückt. Sie liebt ihre Familie, Pizza, Avocados und das Meer.

Hier und Jetzt ist ihr dritter Roman, dessen E-Book-Version im englischen Original (In This Moment) über 100.000 Mal heruntergeladen wurde und damit rasant in die Top 100 bei Amazon aufstieg. Eine kleine Sensation für eine Autorin, die alle ihre Romane im Selbstverlag herausbringt. Momentan arbeitet Autumn Doughton an ihrem fünften Roman.

 

 

Der Plot…

Cole ist verliebt. Zum ersten Mal. Um glücklich sein zu können, muss er jedoch erst lernen zu vergeben. Aimee möchte ein neues Leben beginnen, doch das schafft sie nicht, solange sie nicht bereit ist loszulassen. Zwei junge Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, prallen aufeinander. Eine wunderbar mitreißende Geschichte über Freundschaft, Liebe und die Suche nach sich selbst. Darüber, dass man manchmal im Leben auch etwas wagen muss, um am Ende etwas zu gewinnen.

 

 

Meiner Ansicht nach…

Die Idee ist nicht neu: charismatischer College Boy mit Frauenverschleiß trifft auf relativ unauffällige geheimnisvolle Frau und verliebt sich, entgegen seiner Prinzipien, hoffnungslos. Ein Katz- und Mausspiel beginnt, die Figuren schleichen umeinander herum, treiben sich gegenseitig in den Wahnsinn und versöhnen sich mit großem Tamtam. So etwas nennt man in der Branche New Adult. Und gerade mit diesem Sub-Genre kann ich mich eher wenig anfreunden. Was ich bisher in die Hände bekommen habe, war mir oft zu substanzlos und schlecht geschrieben. Starke Charaktere sprechen mich als Leser oft am meisten an. So gesehen hätte ich die Anfrage des Übersetzerpools Littra eigentlich ablehnen sollen, doch mich lockte deren Begeisterung für „Hier und Jetzt“. Und ehe ich mich versah, las ich die Leseprobe und merkte, es geht vielleicht doch anders.

Tatsächlich wurde ich angenehm überrascht, denn die Figuren von Cole und Aimee haben Persönlichkeit. Gut, mit Cole hatte ich im Kopf so einige Male zu kämpfen. Er hat dieses typische NA-Image. Sein Mantra: „Liebe ist was für Weicheier und ich bin ein steinharter cooler Kerl!“ Er ist ein gutaussehender Abschlepper mit anzüglichen Gedanken. Da die Autorin aus der Wechselperspektive von ihm und Aimee schreibt, wird der Leser manches Mal Zeuge seiner kleinen schmutzigen Gedanken. Seine Gefühle unterstreicht er gerne mal mit dem F-Wort. Das kam bei mir nicht immer an, weil dadurch einem eigentlich schön beschriebenen gefühlvollen Augenblick, etwas genommen wurde. Blickt man hinter Coles cooles Getue, sieht man den großen Bruder der viel zu früh für seine Schwester erwachsen werden musste.
Und dann ist da Aimee, die nach einer langen Auszeit wieder nach Hause zurückgekehrt ist. Sie versucht sich am College eine Zukunft aufzubauen. Den Verlust und die Schuld eines vergangenen Vorfalls hat sie aber noch nicht verwunden. Der Alltag ist für sie daher ein täglicher Kampf. Ihr (buchstäblicher) Zusammenstoß mit Cole macht es nicht einfacher. Aimees Figur und ihre Sicht gefiel mir am besten. Sie hat durch ihren schlimmen Verlust eine komplette Wendung durchgemacht. Früher aufgeschlossen und auf allen Partys zu finden, ist sie jetzt sogar beim Betreten des College Campus‘ emotional überfordert. Ausgerechnet Cole scheint den Zugang zu ihr zu finden. Vielleicht auch gerade deshalb, weil Aimee den Bezug zu ihrem alten Ich verloren hat. Die Autorin hat den Kontakt zu Aimee und Cole sehr natürlich entstehen lassen. Sie nahm sich Zeit und schubste die beiden nicht zu schnell auf etwas zu, für das sie noch nicht bereit sind.

Klischeebehaftet ist das Werk der bisher unbekannten Autorin Autumn Doughton schon. Das Rad wurde nicht neu erfunden, aber mir gefielen die Figuren und die nachvollziehbaren Emotionen. Natürlich sind Gefühle ein großes Thema, aber gleiches gilt auch für Freundschaft, Familienprobleme, Enttäuschungen, Schuld und Verlust. Cole und Aimee haben Dinge erlebt, die in jedem Wunden hinterlassen würden. Ihre Emotionen und ihre jeweiligen Probleme, wirken daher zu keinem Zeitpunkt überzogen. Autumn Doughton beherrscht das Schreibhandwerk und hat das Gefühl für einen interessanten Pitch.

Mein liebstes Genre wird New Adult nie werden, aber Dank Autumn Doughton und ihren Figuren bin ich etwas gnädiger gestimmt. Ich hoffe, dies wird nicht mein letztes Leseerlebnis von der Autorin gewesen sein.

 

 

Tacheles…

Die Autorin bedient sich bei diesem Werk an typischen New Adult Klischees, übertreibt es aber nicht. Meinen persönlichen Differenzen für dieses Genre zum Trotz, wurde ich angenehm überrascht. Die Figuren sind facettenreich und haben Tiefgang. Der Verlauf wirkt nicht überladen, oder zusammenhangslos. Der Erzählstil ist zugleich einfach und wunderschön gehalten. Man fliegt über die Seiten. Leser, die bisher dem NA-Genre nicht viel abgewinnen konnten, es aber doch mal versuchen möchten, kann ich Autumn Doughton absolut empfehlen. Und natürlich werden Leser, die New Adult-Bücher verschlingen, erst Recht Gefallen an Aimee und Cole finden.

 

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